Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 482 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Die Bibel als Quelle usw. mit den Gottesurteilen gemein*); es darf aber nicht vergessen werden, auch auf die trennenden Momente Nachdruck zu legen, die das jüdische Gesetz zu einer zweckhaften und menschlich durchaus begreiflichen Institution, einem die Heiligkeit der ehelichen Treue wirksam unterstützenden Instrument machen. Der ethische Zweck der Gottesurteile: der unterdrückten Unschuld eine letzte Zuflucht zu sein, ist grade durch das jüdische Verfahren am besten gewährleistet. Wie manche Frau, vielleicht etwas leichtfertig und frei im Verkehr mit Männern, oder eine von der Eifersucht des Mannes (daher in der Bibel die Betonung der Eifersucht) Verfolgte, wird in dieser Art Gottesurteil Hilfe und Wohltat erfahren haben. Wir wissen ausserdem aus den Bestimmungen der mündlichen Tradition im Talmud (und schliesslich musste der die Handhabung doch am besten kennen), unter welchen Kautelen und wie nur unter Assistenz des höchsten Gerichtshofs (בית דין הגדול) und nur an heiliger Stätte, also unter Wahrung höchster Unparteilichkeit, dieser Akt vor sich gegangen ist. Höchste geistliche und weitliehe Autorität vereinigte sich, um den tiefen psychologischen Eindruck bei den Beteiligten nicht zu verfehlen. Bei dem Hochstände ehelicher Sittenreinheit im damaligen Israel gehörte die Anwendung dieser Prozedur wohl zu den Seltenheiten, sodass ein Missbrauch oder ein Abnehmen des Glaubens an die wunderkräftige Wirkung des Tranks (etwa durch oftmaliges Ausbleiben der verhängnisvollen Wirkungen) im allgemeinen nicht zu befürchten waren, denn nicht der Trank, sondern der Eid und seine Begleitumstände machten die Probe so gefürchtet. Bedeutsam schliesst der Bibelabschnitt mit den Worten: והאשה ההוא תשא את עונד!, vielleicht als Warnung und Drohung für die Frau, die die Stirne hatte, mit dem Gottesurteil ein falsches, dreistes Spiel zu treiben. Einen gewissen Gipfelpunkt rationalistischer Deutungskunst ersteigt Frazer endlich in der Motivierung des Verbots: ״Du *) s. רמב״ן zur Stelle: אין בבל התורה דבר התלוי בכס זולתי העבין הזה פלא ונס קבוע בישראל.