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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 478

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 478 (sequence 34)
Language
German
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478 Die Bibel als Quelle usw. aber nicht als eine kultische Vorschrift gedacht. Die Weigerung, die Schwagerehe zu vollziehen, zieht öffentliche Beschimpfung (חלוץ הנעל) nach sich, weil der Schwager sich weigert, von der Witwe den grössten Schimpf der Kinderlosigkeit zu nehmen und es so verhindert, dass der Name des Verstorhenen sich erhalte und sein Besitz auf die Erben seines Namens übergehe (s. Ruthgeschichte, s. Gunkel, Kommentar zu Deut., in Nowacks Handkommentar). Hätte die Furcht vor dem Toten, die Befürchtung Vorgelegen, dass die Seele sich rächen, Unheil stiften würde, hätte ein versteckter Dämonglaube hier mitgespielt, dann hätte das Gesetz für den Weigerungsfall eine viel strengere Strafe, ja einen Zwang zur Ausübung der Leviratsehe vorgesehen 1). Kautzsch in seinem Kommentar zur Stelle, Gen. 38, 8) bemerkt vorsichtig: ״Allerdings könnte sich die Sitte auch ohne ein Bewusstsein von ihrer Entstehung erhalten haben. Aber die Tatsache einstigen Ahnenkults in Israel lässt sich überhaupt nicht nach weisen.״ Wir aber können hinzufügen, dass es uns wohl genügen kann nachzuweisen, dass das jüdische Gesetz der Leviratsehe in der Form, wie es uns in der Bibel entgegentritt, keinerlei Handhaben zur Annahme einer abergläubischen Vorstellung von Totenanbetung oder Ahnenkult als Anlass oder Ursache der Institution bietet. Und selbst angenommen, aber nicht zugegeben, dass es vielleicht in noachidischer oder noch früherer Zeit so etwas wie Gruppenehe oder Ahnenkult bei unsren Urvätern gegeben haben sollte, die schon in vormosaischer Zeit zur Einrichtung der Schwagerehe etwa Anlass gaben (so bei Juda und seinen Söhnen) — so wäre diese Institution in der Form, wie sie im mosaischen Gesetz uns vorliegt, nur wiederum ein Beweis für den so ganz anders gearteten Geist der biblischen Gesetzgebung und deren gotterfüllten Gesetzgebers, indem die Heilige Schrift auch diese aus J) Gott selbst lässt Onan für seine Frondierung des Gebots der Schwagerehe sterben, Gott setzt sich für die Heilighaltung des Gebots ein, ein deutlicher Beweis, dass hier kein Totenkult vorliegt, denn Gott wird doch keinen Kult schützen, der ihm selbst nicht gilt, (so Kittel in Nowacks Handkommentar).

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