Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 477 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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- Die Bibel als Quelle usw. 477 Dieser Motivierung Frazers, dass die Leviratsehe in Israel dem Gedanken der Gruppenehe ihre Entstehung verdanke, widerspricht zunächst der Worttext der Bibel, wo als Grund für die Schwagerehe angegeben wird: dass der Name des Verstorbenen nicht aus Israel verlöscht werde (Deut. 25,6); ebenso fordert Juda den Onan (Gen. 38,8) mit den Worten auf: ״Gehe hin zum Weibe deines Bruders und übe die Schwagerehepflicht, damit du deinem Bruder Nachkommen verschaffst“. Der überlebende Bruder soll also die L. vollziehen im Interesse des verstorbenen Bruders, nicht au3 eignem, selbstischem Interesse, wie es der Gedanke der Gruppenehe voraussetzt. Ebensowenig lässt sich n. u. A. die Institution der L. in der Bibel mit dem Animismus, dem Ahnenkult in Zusammenhang bringen (so- Stade, Geschichte Israels, Band I 393). Der Animismus ist der Glaube an das Fortleben und Fortwirken des Verstorbenen über den Tod hinaus, der Glaube an die Macht des Toten, das Los der Ueberlebenden zum Guten oder Verhängnisvollen zu beeinflussen, daher der Seelenbezieh. Ahnenkult (namentlich bei den Aegyptern und Chinesen ausgebildet), der die Verehrung nicht nur vornehmer Verstürbener, Fürsten, Häuptlinge usw. verlangt, sondern die jedes Familienoberhauptes. Dem Verstorbenen werden Opfer an Speisen, Kleidung u. s. wr. dargebracht, sein Andenken wird gepflegt, sein Körper, sein Grab wird auf möglichst lange Zeit zu erhalten gesucht (s. Chantepie, 1. c., I p. 66 f.). Keinerlei derartige kultischen Elemente enthält die israelitische Vorschrift der L., nicht die Angst vor dem Toten hat die Vorschrift diktiert, sondern die Sorge um die männliche Nachkommenschaft, ״damit sein Name in Israel nicht erlösche“ (Deut. 25,6). W^äre die L. auf Ahnenkult oder Gruppenehe zurückzuführen, dann wäre für die Witwe, auch wenn sie Töchter hätte, die Ehe vorgeschrieben, um dem Toten einen männlichen Erben zu erzeugen, da nur ein Sohn das Opfer für die Manen des Toten darbringen durfte (s. Scheftelowitz, Eeiigionsgeschiebtliche Parallelen zur Bibel, Hoflmann-Festschrift, Berlin 1914, p. XIII). Es ist somit die Lev.ehe als eine moralisch-soziale, 8