Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 474 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293048--08574-2301856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
474 Die Bibel als Quelle usw. weise der biblische Berichterstatter, einmal dieses, einmal jenes Mittels sich bedient, um Jakobs Ansprüche zu legitimieren. Hier will n. m. A. Frazer zu viel beweisen, und wer zu viel beweist, der beweist, nach einer Regel der Logik, zu wenig. Es spricht drittens gegen die Argumentation Frazers, dass Ziegenfelle oder sonstige Tierfelle im ganzen biblischen Schrifttum nicht die von Frazer ihnen imputierte Rolle spielten, ja überhaupt keine besondere sakrale Bedeutung oder Wichtigkeit besassen; sie wurden bei gewissen Opfern (rote Kuh, Num. 19,4f.) nebst dem Blut und Fleische und dem Miste verbrannt; bei der Stiftshütte dienten sie zur Wandbekleidung, wurden aber nirgens gesondert als heilig gehalten und bewahrt; vollends treten sie niemals als Träger besondrer magischer Kräfte auf. Jedenfalls berechtigt diese eine sporadische Stelle in der Jakobsgeschichte in keiner Weise zu so weitgehenden Schlüssen von der eigenartigen Bedeutung der Tierfellbekleidung zur Patriarchenzeit, wie sie von Frazer gezogen werden. Was Frazer weiterhin in Anknüpfung an verschiedene Ereignisse in Jakobs Lebensgeschichte berichtet, ist kulturhistorisch wohl beachtlich und wertvoll. So hören wir in Anknüpfung an Jakobs Traum (später ebenso bei Josefs Träumen) von Traumorakeln zur Zeit der Antike, in Epidaurus, Lakonien, in Medien, bei den Römern usw.; Jakobs Himmelsleiter als Verbindungsbrücke zwisschen himmlischen und irdischen Bewohnern findet Analogien bei Völkern auf Sumatra, Madagaskar, Celebes u. a. 0., wenn auch die Erzählungen dort sehr primitiv und naiv lauten. (Ein Gott schickt seine Tochter als Hirtin mit dem himmlischen Getier mittels einer Strickleiter täglich zum Grasen zur Erde, weil im Himmel kein Gras zu finden ist u. ä.). Für das Opfern und Oelausgiessen Jakobs auf einem Steine (מצבה) bringt Frazer Parallelen von heiligen Steinen bei vielen Völkern aus allen Teilen der Welt und allen Zeitaltern. Auch hier darf nicht übersehen werden, dass es sich in der Bibel um keine Anbetung der Steine an sich handelt, während es sich bei den Hermen der Griechen, den ״Dolmans“ der Kelten u. s. w. um einen regelrechten Steinkult handelt: