Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 472 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Reform, eine historische Perspektive Leistung und Wertung ist es die Linie: Mendelssohn—Rabbiner Hirsch—Ostjudentum der Thora. Geschichte ist Bewährung, Bewährung aber bringt Glauben. Trefflich hat die jüdische אמונה beides zusammengefasst und Habakuk in ihr das Sein des Judentums begriffen: צדיק באמונתו יחיה. So kann denn nur unsere Arbeit am Bau des Geistes erweisen, ob wir des Glaubens inne geworden an den Sinn und den Wert der jüdischen Geschichte, ob wir uns der Verantwortung für jüdische Zukunft bewusst sind, die uns die Väter als Bürde, aber auch als Glück auf die Schultern gelegt. Nicht einem lauen Judentum darf die jüdische Jugend das Wort reden, nicht der Mittelmässigkeit, sondern jenem Durstigsein nach Gott und Thora, dem nie Zufriedenheit wird, bis dass ״voll ist die Erde der Gotteserkenntnis wie Wasser, die das Meer bedecken״. Die Bibel als Quelle für Folkloristik. Von Dr. Armin Blau, Hamburg 1). (Schluss.) II. Im II. Band seines Werkes setzt Frazer seine folkloristischen Studien über das Patriarchenzeitalter fort. Er verfolgt die Lebensschicksale des Erzvaters Jakob und erforscht und findet vermeintlich bedeutsame Merkmale in scheinbar nebensächlichen Einzelheiten. So findet Frazer folgendes hochbedeutsam: Bei der Erlangung des Erstgeburtsegens hüllt Jakob seine Arme in die Felle eines Ziegenböckchens, um behaart wie sein Bruder Esau vor dem Vater zu erscheinen. Dies soll ein Rest einer noch heute bei zahlreichen wilden Stämmen bestehenden Sitte sein, dass man das Fell der Böcklein zu Opferzwecken benutzt, oder dass man sich in das Fell eines geschlachteten Tieres einhüllt, um die Fiktion einer Neugeburt, eines neuen Wesens hervorzurufen, dass man gleichsam in Gestalt eines Tieres neu zur Welt kommt (vgl. Werwolfglaube). b s. Jeschurun, Band XIII, Heft 5/6 und 7/8.