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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 471

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 471 (sequence 27)
Language
German
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Reform, eine historische Perspektive 471 der Thorabeflissenen ebenso zu befruchten wie die Herzen durch seine begeisternde Rede zur Verinnerlichung, zur Ganzheit des jüdischen Seins zu entflammen65). Nicht als offizieller Führer trat R. Israel in Wilna auf, sondern als ein Jude, um dessen Grösse herum sich eine Gemeinschaft gefunden. Nicht als unabhängig-starke Persönlichkeit des Zadik, auch nicht als Lehrer schlechthin, sondern als stets an sich arbeitendes Individuum der Grösse, dem man sich zwanglos neigt, um das Leben zu lernen 66). Doch weil Charakter wie Leben des einzelnen Juden viel zu subtil ist, um in einer grossen Bewegung wesentlich gefördert zu werden, weil es ein fortwährendes Sich-Mühen bedeutet, den Weg des Mussar zu wandeln, 80 konnte nur die Jeschiwa den Kreis bieten, wo diese Idee Schule wurde, dort, wo Juden ihre ganze Zeit ihrem ״Selbst“ weihen. Die Schattierungen des Mussar sind so mannigfaltig, dass eine knappe Darstellung schlechterdings unmöglich ist. Reformatoren waren R. Israel und seine vornehmsten Schüler. Sie haben der alten Hochschule des Judentums, dem Kräftezentrum jüdischen Geistes, die Theorie de3 Weges gezeigt, der von Lehre zu Leben führen kann. Die Schule der jüdischen Lehre wurde zur Bildungsstätte ganzen Judeseins. * * * Geschichte ist Bewährung des Lebens, drum soll ihr Erleben sich an uns bewähren. Wer draussen steht, der entbehrt den Pulsschlag jüdischen Lebens. Er verkümmert, ja er kann sich abkehren und zum Verräter werden. Inmitten seines Volkes lebt heute wie immer nur der Jude, der das Buch des Glaubens nicht schliesst. Ganz und gross im Judesein — nur der Lernende, im Geisteszentrum unseres Volkes: Jeschiwa. Nach perspektivischem Eingang und Ausgang, nicht nach historischer 65) Ueber die Reform, die er im Wesen des Magiduth durch seine Reden anbahnte vgl. J. Weinberg, Jeschurun VIII 53 f. 66) Ueber Aehnlichkeit nnd Gegensatz zwischen Chabad-Chassidisznua und Mussar vgl. A. E. Kaplan, Zwei Wege Jeschurun X, 5--6.

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