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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 456

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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406 Reform, eine historische Perspektive Das historische Judentum konnte seinerseits die Legalisierung eines neuen Gottesdienstes in seinem Bereich nicht dulden und es gelang ihm zunächst mit Erfolg, die Niederlassungen von modernen Religionsgesellschaften zu hintertreiben. Nicht so in Hamburg, wo 1817 der neue israelitische Tempelverein gegründet wurde, ״durchdrungen von der Notwendigkeit, den öffentlichen Gottesdienst zu seiner ihm nötigen Würde zurückzuführen und den fast erkalteten Sinn für die ehrwürdige Religion der Väter wiederzuerwecken“ 27), wie die Gründer, teils Schüler Mendelssohns, in einer öffentlichen Erklärung sagten. Die Einführung eines teilweise deutschen Gebetbuches und der Orgel rief die Gesetzestreuen auf den Plan. Eine Sammlung von Gutachten erschien, אלה דברי הברית, in der talmudische Grössen gegen die Berechtigung der Orgel und die übrigen Neuerungen Stellung nahmen 28). Unter ihnen hat R. Jakob Lissa den Urgrund aller Neuerungsbestrebungen gekennzeichnet. ״Die Wurzel der Religion und damit die Welt steht und fällt mit dem Glauben“ 29). Mit dem Worte אל תמוש תורת אמך habe der an Verstand so weise Salomo die oft irrational bestimmten Gepflogenheiten der Mutter Nation gemeint, denen man gleichfalls die Treue zu wahren habe. Diese Erkenntnis, dass der Glaube doch als Letztes entscheide, war unzeitgemäss; mit möglicher und unmöglicher Kunst ist Mendelssohn um sie herumgegangen, so als er das אני מאמין des Maimonides (auf den sich alle Rationalisten zu berufen pflegen) mit ״ich erkenne für wahr und gewiss“ übersetzte 80). Seinen Nacheiferern war diese Erkenntnis zu dem noch ein beengendes Gewissen. Als Antwort erliess Bresselau, ein Führer des Tempel Vereins, eine geharnischte Gegenschrift 81 חרב נוקמת נקם בריח). Nomen est omen. Bis zum Jahre 1817 hatte es auf beiden Seiten an wirk- 27) Bei Seligmann S. 76 nach Akten des Tempelarchivs in Hamburg. 28l בפקודת בית דין צדק דק*ק המבורג נדפס באלטובא בשנת תקע״ט. - 29) שם עמוד ע״ט. 30) Anhang zum Lesebuch für jüd. Kinder Berlin 1779 S. 565 f. 31) Die Schrift war mir nicht zugänglich. Vgl. die Angaben von Grrätz? *Geschichte der Juden, Bd. 11, S. 397. Seligmann S. 82 u. Anmerkungen.

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