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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 455

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 455 (sequence 11)
Language
German
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Reform, eine historische Perspektive 455 Als 1808 die Franzosen in Westfalen einzogen, da wurde dort eine staatliche Synagogenordnung eingeführt, die d e u t - sehe Predigt hielt ihren Einzug 25). Israel J acobson, ein begüterter und energischer Mann, war hierfür von bestimmendem Einfluss; sein Motiv war an sich ein edles, der Hochflut der Assimilation, die geraden Wegs in die Kirche oder religi- Ösen Indifferentismus führte, einen Damm zu setzen. An Stelle der planlosen Reform an Haupt und Gliedern, die David Friedländer erstrebte, war eine begrenzte, aber planvolle getreten, aus dem Sinn für real-religiöse Notwendigkeit heraus: die Reform des Gottesdienstes. War sie wirklich nötig? »Ohr und Auge fühlten sich in gleicher Weise abgestossen. Gar viele unter den Gebildeten“, so erklärt Elbogen 26), ״vermochten hinter dem wenig ansprechenden Aeusseren den wertvollen Sinn nicht mehr zu erkennen“. Keine Apologie! Dass der Gottesdienst von Tag zu Tag einer ״Reform“ bedürfe, haben schon die Weisen des Talmuds gefordert. (דברים העומדים ברומו 262של עולם ובד אדם מזלזלים בהם) Ihre Feststellung, dass ״Gewöhnheit Natur wird“, ist ein Wort der Ermahnung, nicht der Rechtfertigung. Was jedoch Elbogen mit den Zeitgenossen Jacobsons konstatiert, ist ״von draussen“ geschaut. Nachdem man das Judentum in seiner Totalität verlassen, schaut man mit anderen Augen zurück, ״fühlt sich abgestossen“ und reduziert das Meer jüdischer Religiosität auf das Bächlein des Gottesdienstes, von dessen Wassern man obendrein noch sagt, sie stammen aus dem Quell des Judentums. Seit Israel Jacobson ist der Gottesdienst die Domäne der Reformbewegung. Ist sie irgendwie, um mit Seligmann zu sprechen ״eine aus verjüngenden Triebkräften erzeugte lebendige Erneuerung des Judentums“ geworden?! Ist tägliches Gebet nicht vielmehr ״Herzensdienst“, ständige Selbsterziehung, Sache des Individuums? War die Reform des Allgemeinen nicht völlig abwegig? 2י) Seligmann S. 69. 26) Elbogen, Der jüdische GottesdieDst in seiner geschichtf. Entwieklang S. 395. 26 a) .ברכות ו.

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