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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 454

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 454 (sequence 10)
Language
German
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454 Reform, eine historische Perspektive jedesmalige geistige Behörde die Machtvollkommenheit hat, in Religionsangelegenheiten zu lösen und zu binden *). Wird nun erst die Tradition auf ihre ursprüngliche Reinheit zurückgeführt, dann hat ausserhalb der Bibel weder Talmud noch sonst irgend ein Buch mehr Kraft und Autorität als ihm die jedesmalige Behörde zu geben für gut und den Umständen angemessen findet.“ Hier liegen für Seligmann die ersten fruchtbaren Keime der Reform 23). Er hat recht, nur zu recht. Typisch ist dieser erste planvolle Gedanke der jüdischen Religionsumwälzung in Deutschland für deren ganzen Verlauf. Man vergewaltigt die Geschichte, damit sie der Gegenwart die Berechtigung bescheinige. Die Bedingung, dass ein solches Beth Din an Weisheit und Teilnehmerzahl das frühere überragen muss 23a), eine conditio sine qua non, verschweigt Johlson. Man möchte sich als historisch geworden geben, ist in Wahrheit aber ein Führer auf einem neuen, ganz anderen Wege. Unehrlichkeit ist hier die Perspektive. Jene geistige Behörde schien in dem von Napoleon 1807 einberufenen Synhedrion bestehen zu sollen. Die Intentionen des Egoisten der Grösse gingen jedoch letzlich darauf hinaus, in einer Rabbiner- und Laienversammlung ein gefügiges Werkzeug zur Heranziehung der Juden im Dienste der Eroberung zu besitzen, eine Art Polizeiorgan 24). Die Mitglieder der Versammlung waren zum Teil deswegen sehr von Liebedienerei beherrscht; ihre Reden und Beschlüsse sind danach zu werten. Wichtig für uns, dass sich in diesem Synhedrion Altes und Neues gegenüberstanden und dass diese beiden Elemente erklärten, die jüdische Lehre bestände aus rein religiösen und politisch gesetzlichen Bestimmungen, die streng zu unterscheiden wären. Diese Theorie sollte später die Axt an den Stamm Judas legen. *) Man achte auf den kirchlichen Stil dieses Satzes. 2s) S. 66. 23 a) .עבודה זרה ל״ו. 24) Dubnow, S. 145.

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