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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 451

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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Reform, eine historische Perspektive 451 Aberglaubens. Allein von dem W esentliehen meiner Religion bin ich so fest, so unwiderleglich überzeugt wie nur Sie von der Ihren sein können.“ Man ginge vollkommen fehl, wollte man diese Worte etwa als den Wunsch nach ״Reform“ kennzeichnen. Mendelssohns ״Jerusalem“ widerspricht dieser Auffassung entschieden. Vielmehr wendet er sich hier wie an anderen Stellen 13) wahrscheinlich gegen kabbalistisch mystiziierende Elemente, die allerdings gerade in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in Polen in wenig einwandfreier Blüte standen. Auch die Lehrmethode Polens war ihm zuwider!4). Die von Mendelssohn so sehr anerkannte Toleranz Europas ist ihm offenbar seinen Brüdern gegenüber durchgegangen. Eine Erklärung hierfür lässt sich nur in seinem umfassenden Streben finden, seiner Nation unbeschadet der Religion Kultur zu bringen, eine Aufgabe, die er als von der Vorsehung ihm gestellt erachtete15). So entschloss er sich auf Bitten von Freunden die begonnene für seine Kinder bestimmte Bibelübersetzung zu veröffentlichen. Mendelssohn bezeichnet eine Bibelübersetzung wie diese als ersten Schritt zur Kultur für seine Nation16), als solcher ist sie auch in nichtjüdischen Kreisen 17) angesehen worden. Die deutsche Sprache zog damit ins Ghetto ohne bedeutsame Hindernisse ein. Dass sich in Mendelssohn keine Befürchtungen von hemmender Macht regten, diese seine Gabe könnte gelegentlich zum Abfall von der Religion führen, das ist in dem grossen Mangel an historischem Verstehen begründet. »Der Aufklärer“, so schreibt Mendelssohn selbst 1?a), ״der nicht unbedachtsam zufahren und Schaden anrichten will, hat sorgfältig auf Zeit und Umstände zu sehen und den Vorhang nur in den 13) Sehriften V, 668. 14) KayserliDg S. 421. Schriften V, 673. 15) Kayserling S. 287. 16) Ebenda. 17) Ankündigung in ״Theolog. Bibliothek“ 1. Band, S. 156. Kayserling S. 290. 17 a) Kayserling S. 424.

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