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Jeschurun · 1926-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1926) · p. Seite 439

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 439 (sequence 107)
Language
German
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Gerechtigkeit erhöhet ein Volk 439 die man mit einem grossen Teil der Richter in Deutschland gemacht, die sich so gesteigert hat, dass das Lesen der Zeitnngen zur Qual wird, dass diese Erregung völlig unabhängig davon ist, dass unbegreifliche Urteile oft auch dort gefällt werden, wo es sich um Juden handelt. Gerade der Fall Haas ist dafür ein klassisches Beispiel. Wurde es doch erst später ruchbar,, dass hier ein Dreyfusprozess konstruiert werden sollte. Nein! es ist vor allem die Empörung, dass in einem Rechtsstaat — und man durfte Deutschland, wie schon erwähnt, im höchsten Masse als einen solchen ansprechen —־ Dinge möglich sind, die wir uns scheuen hier wiederzugeben. Doch es genügt ja an den bekannten Ausspruch des Reichskanzlers Maix zu erinnern, zu dem er sich angesichts dessen, was sich im Piozess Ebert abgespielt, veranlasst sah. Nicht die Taten der Einzelnen sind es, die uns mit Schrecken erfüllen, sondern die Billigung der grossen Organisationen, dass sie diese Dinge ruhig anzusehen vermögen, dass offenbar das Standesbewusstsein, für das der Yolksmund jenes Wort von der Krähe geprägt, stärker ist als die Ehrfurcht vor der Unverletzlichkeit des Rechts. Ach ja! R. Simche Süssel, den eine verhältnismässig harmlose und sehr geringfügige Verletzung privaten Eigentums durch den Staat so in Harnisch zu bringen vermochte, hätte manchem Landes« gerichtspräsidenten und noch höher hinauf recht viel zu sagen. Manche Jungjuden erzählen uns — und Max Brod hat sie in seinem ״Heidentum, Christentum, Judentum“ noch in Schutz genommen — dass wir ihnen so wenig zu biete« haben, dass sie dem Christentum aus Ueberzeugung sich nahe fühlen, wenn ein Tröltsch ihnen sein innerstes Wesen zeigt. Sie wollen eben von der Offenbarung des Absoluten, von den Eatwickelungsstadien der Erlösungsreligion u. s. f. hören. Das Schlichte und eben darum Grosse, das sich in unserer Religion der Gerechtigkeit kundgibt, das ist für sie zu grobe Kost. Und sie sind eben zu unwissend, um sich in unsere Quellen zu vertiefen, zu träge, sich diese zu erschlossen. Und es ist doch nicht so schwer jenes Hebräisch zu lesen, in das Maimonides die Vorschriften umgegossen, die aus Thora, Propheten, Mischna, halachischen Midraschim und Talmud geschöpft, etwa von den Pflichten des jüdischen Richters handeln und vom Strafprozess. Da jeder Verstoss hiergegen den Richter für untauglich erklärt, so sind auch nur Ansätze zu den Verfehlungen, die wir erlebt, völlig unmöglich. Hier ist die rechte Mischung der beiden Faktoren, die das höhere Recht konstituieren, der Gerechtigkeit und der Liebe, eine Mischung, die in dieser Vollkommenheit nur deshalb wirklich geworden, weil sie aus dem Recht der Thora, dem göttlichen Recht stammt. Wie konnte die Umwelt so tapfer schmälen, wenn sie den Ausspruch unserer Weisen las, dass der erste Halbvers in Mischle 14, 34, ״Gerechtigkeit erhöht ein Volk44 auf Israel uüd der zweite ״die Liebe der Nationen ist Sünde“, auf die Völker der Welt geht. Und wie haben sich unsere Apologeten gemüht, diese klaren Worte hinwegzuinterpretieren. Aber der Ausspruch bleibt zu Recht bestehen. Israel ist hier natürlich das ideale Israel, das

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