Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 434 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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434 Wahrheit und Frieden Und dennoch verhält er sich zum שלום höheren Sinnes wie Form zu Inhalt, Körper zu Seele, Diener zum Herrn. Und um seiner selbst willen muss sich der *שלום המדעי dem שלום הנפש, dem שלמות unterordnen; die ״Friedfertigkeit״ wandelte sich in ihr Gegenteil, wenn sie nach absoluter, nicht der wahren ״Harmonie“, dem שלמות untergeordneter Herrschaft strebte. כנען konnte seinen Kindern ein Testament hinterlassen, das Geschwisterliebe predigte und zugleich den Hass und die Lüge, den Raub und die Unsittlichkeit. ה׳ דברים צרה כנען את בניו אהבו זה את זה ואהבו את הגזל ואהבו את הזמה ושנאו את אדוניכם ואל תדברו אמת (פסחים קיג:). Für Sems Nachkommen gilt ein anderes Testament, denn ihr Wesen strebt nach Ganzheit, verträgt nicht die Liebe, wenn ihr zur Seite der Hass steht. Auch in diesem Zusammenhänge sei noch auf eine andere Stelle in Lazarus’ ״Ethik des Judentums״ hingewiesen. Dort (II Seite 87/9) spricht Lazarus davon, dass viele Ethiker einzelne sittliche Ideen im höchsten Grade bevorzugt haben, sie in ihrer vollkommensten, höchsten, unbedingten Form darstellten. Dadurch wird beim Widerstreit verschiedener sittlicher Ideen in ihrer Anwendung aufs Leben die eine zu sehr begünstigt und dadurch nicht nur ein Schaden am ethischen Ganzen herbeigeführt, sondern auch die in ihrer höchsten Stufe hingestellte Idee führt, wenn man die Wirklichkeit betrachtet, garnicht zu dem Erfolge, der durch ihre Proklamierung angestrebt wird. Und er bringt als ein Beispiel für viele gerade die Friedfertigkeit. Durch ihre zu starke Betonung leidet die Idee des Rechts, aber auch die der Friedfertigkeit selber. Durch meine Friedfertigkeit, mein Nachgeben, habe ich Schuld, dass der Andere in seinem Laster beharrt, helfe ich dem bösen Willen zur Herrschaft: ״Die Sittlichkeit besteht nicht darin allein, wie ich handle, sondern auch wie der Andere handelt, also auch, welchen Einfluss ich auf seine Handlungen übe. — Wohlwollen ist eine sittliche Idee; aber eben deshalb ist meine Aufgabe, nicht bloss wohlwollend zu sein, sondern zu sorgen, dass auch der andere wohlwollend sei; eben deshalb nur gegen den Wohlwollenden (nicht gegen mich, sondern überhaupt!), wohlwollend zu sein. Seine Gewalttätigkeit gegen