Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 415 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293047--08497-2301779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das TrenDungsprinzip usw. 415 bleibe, wenn ihm innerhalb dieser Reformgemeinde die für die Erfüllung seiner religiösen Pflichten erforderlichen Institutionen in seinem Gewissen genügender weise gewährt sind, solange es ihm unmöglich ist sich diese Institutionen ausserhalb des Reformverbands zu schaffen. Ein solcher bleibt nicht freiwillig, sondern ist gezwungen Mitglied der Reformgemeinde zu bleiben“ (offener Brief an S. B. Bamberger). Man fühlt sofort, dass hier eine Inkonsequenz liegt. Denn wenn die Zugehörigkeit zur Reformgemeinde an sich die Zustimmung zur Gesetzesverleugnng bedeutet, so wird diese dadurch nicht anders, dass die Gemeinde den Orthodoxen seine religiöse Bedürfnisse gewährt. Er müsste sich eben da, wo eine orthodoxe Gemeinde nicht gebildet werden kann, als einzelner betrachten, der in einem ישוב wohnt, oder er müsste seinen Wohnort ändern. Aber Hirsch fühlte wohl selbst, welch gefährliche Konsequenzen für das ganze religiöse Leben die restlose Durchführung des Prinzips haben würde. Aber selbst da, wo Austrittsgemeinden bestehen, sind sie denn überhaupt in der Lage für die grosse Masse der bedürftigen Glaubensgenossen alles das zu schaffen, was sie für ihr religiöses Leben brauchen? Ist denn nicht selbst vom Standpunkt der Austrittsfreunde die Gemeindeorthodoxie eine unbedingte Notwendigkeit? Das ganze Prinzip stellt sich also gewissermassen dar als eine גזרה שאין רוב הצברי יכולין לעמוד בה, und schon dadurch ist seine Unmöglichkeit Richtschnur für das Judentum überhaupt zu sein nachgewiesen. Dann aber haben sich die allgemeinen Verhältnisse geändert Dass unter den damaligen Verhältnissen, bei der Gefahr, in der damals das Judentum schwebte, und bei der Uebermacht der Reform die Trennung als das einzige Rettungsmittel erschien, ist wohl begreiflich. Aber was unter gewissen Verhältnissen als Notanker benutzt werden muss, darf darum noch lange nicht zum allgemeinen Prinzip gemacht werden. Heute ist die להכעיס Gesinnung von damals in weiten Kreisen nicht mehr vorhanden; im Gegenteil, man erkennt an, dass das orthodoxe Judentum das Rückgrat des Judentums überhaupt ist, wenn man sich auch freilich noch nicht eingestehen will, dass die Reform