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Jeschurun · 1926-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1926) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 355 (sequence 23)
Language
German
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Die Bibel als Quelle usw. 355 nisten gemessen werden, der bibl. Chronist berichte oder dichte naiv und ohne Reflexion. Auch sei es in der ältesten Zeit kein sittlicher Makel gewesen, wenn man dem Stammesheros allerlei Winkelzüge und Listen zuschrieb. So werden Homers, Vergils, Ovids Helden geradezu als listenreich hingestellt; griechische Götter und Helden überlisten und belügen einander um die Wette. Dennoch liegt der Fall beim Stammvater Jakob und dem Volke Israel anders als bei Homers Helden und spezieH dem listenreichen Odysseus. Odysseus soll als Typus des vielgewanderten, verschlagenen Abenteurers gezeichnet werden, als würdiges Abbild und Liebling der listenreichen Göttin Athene, und deshalb sind seine Handlungen genügend legitimiert und werden bei keinem griechischen Leser Anstoss erregen. Anders ist es bei Jakob als dem Idealheros seines Volkes Israel: Wäre diese Figur ein Phantasiebild eines späten, nachexilischen Verfassers, dann hätte dieser Verfasser dem Stammvater seines Volkes eine andere, ethisch edlere Rolle zuteilen müssen. Denn es ist doch nicht zu leugnen, dass das in Genesis entworfene Bild von der Jagend des Erzvaters Jakob mit den in Leviticus und Deuteronomium (die der angeblich nachexilische Verfasser doch kannte!) vorgetragenen Anschauungen vom Verbot der Lüge und des Gesinnungsbetrugs schlecht übereinstimmt! Sollte also (nach Frazer) angenommen werden, die ganze Jakobsgeschichte, die Erwerbung des Vatersegens und des Rechts der Erstgeburt sei frei erfunden und entbehre jedes tatsächlichen Untergrunds, sei dichterisches Produkt eines späteren phantasiebegabten Chronisten — so ist es n. u. A. nicht einzusehen, warum dieser Redaktor, sei es Moses oder irgendein Zeitgenosse von Esra, dem Stammvater Jakob, im Gegensatz zu den seiner Zeit und in seinem Volke herrschenden und auch seinen eignen höherliegenden ethischen Anschauungen, solch angreifbare Charakterzüge zugeteilt hat. Wie konnte er, der Sohn einer ethisch fortgeschrittenen Zeit, an die objektive Macht eines erschlichenen Vatersegens glauben und dies seine Leser glauben machen wollen? Weshalb dichtet und fabuliert er so ungeschickt? Es brauchte ja z. B. bloss Jakob

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