Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 354 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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364 Die Bibel als Quelle usw. Nun bringt Frazer (auf Professor Josef Jacobs Studien sieh berufend) verschiedene positive Beweismomente, die seine Theorie von der Herrschaft der Ultimogenitur zur Zeit des Erzvaters Jakob stützen sollen, und diese Beweismomente gilt es jetzt zu prüfen: Jakobs Verhalten von seiner Jünglingszeit bis ins Greisenalter beweise es, dass er die Ultimogenitur, das Hecht des Jüngsten verfochten und befolgt habe. Dieses Hecht des Jüngsten habe er seinem erstgeborenen Bruder Esau gegenüber, seinem Sohne Josef und seinen Enkeln gegenüber vertreten und betätigt. Obwohl der vorliegende Bericht der Bibel offenbar dagegen spricht und das ganze Verhalten und Handeln Jakobs in der Bibel anders motiviert wird — tut nichts, der biblische Berichterstatter, der aus der Königszeit oder nachexilischen Zeit stammen soR, hatte den Vorgang nicht mehr verstanden. Er fand die Vorherrschaft des Stammes Jakob, bzw. Israels und seiner Söhne in Kanaan zu seiner Zeit vor und fragte sich : Warum sind nicht Esaus Nachkommen, die Edomiter, die legitimen Nachkommen des Erstgeborenen, zur Regierung gelangt und berufen gewesen? Zur Begründung und Legalisierung der Jakobnachfolge erfand und interpretierte der Redaktor die Schicksale Jakobs in der im biblischen Berichte gezeichneten» Weise. Diese Auffassung der biblischen Berichte, abgesehen davon, dass sie den biblischen Redaktor einer groben Fälschung bezichtigt, erscheint uns auch vom psychologischen und menschlichen Standpunkt schwer zu begreifen: Ein jüdischer Chronist oder Pseudochronist, der den Vorrang seines Volkes Israel im Verlaufe der Geschichte gegenüber Esau-Edom historisch oder pseudohistorisch begründen wollte, hätte den Stammvater seines Volkes, um ihn zu glorifizieren, nicht so, nicht als Erbschleicher dargestellt, er hätte zu andern Mitteln gegriffen und nicht einen Bericht konstruiert, in welchem der Stammvater Jakob der Unterschiebung und Erschleichung des Vatersegens bezichtigt wird I Nun lässt sich vielleicht einwenden, ein Chronist der biblischen Zeiten dürfe nicht nach dem Massstab mittelalterlicher oder moderner parteiisch fühlender Chro-