Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bibel als Quelle usw. 853 denn einerseits wird menschliche und tierische Erstgeburt nebeneinander genannt, anderseits hatte doch das Sterben der Erstgeborenen, als schwerste der zehn Plagen, den Sinn, die Besten, Ausgewähltesten, und das sind die Erstgeborenen bei Mensch und Tier, zu treffen. Es steht demnach ausser Zweifel, dass die Bibel in der Gestalt, wie sie uns vorliegt, nur das Recht der Primogenitur kennt und von einer Ultimogenitur, einem Erbrecht des Jüngsten, nichts weiss. Ein weiterer stringenter Beweis, dass das sogenannte Patriarchenzeitalter, die Zeit der Erzväter, auch nur die Primogenitur und nicht Ultimogenitur kannte, liegt in dem vielberufenen Codex Hamurabi vor. Dort befindet sich die Bestimmung, dass alle Söhne gleichmässig erben, doch der älteste Sohn bekommt (dies nicht immer) einen grösseren Teil1). Dies würde somit ungefähr der biblischen, beziehungsweise talmudischen Bestimmung entsprechen, wonach der Aelteste נטל פי שנים nur einen doppelten Teil des den übrigen Söhnen zu־ stehenden Anteils erhält. (Sind z. B. 4 Söhne, dann bekommt der älteste 2/5, andern je 1/5 des Erbes). Also gerade das Gesetzbuch, das nach Meinung der Bibelkritiker das vormosaische Gesetz am entscheidensten beeinflusst hat (cf. den Bibel- Babelstreit) und dessen Verfasser ein Zeitgenosse Abrahams gewesen ist, kennt das Erbvorrecht des Jüngeren oder Jüngsten nicht. Somit ist wohl zur Evidenz erwiesen, dass das vormosaische Gesetz und das Patriarchen- Zeitalter die Ultimogenitur nicht anerkannte2).!) zitiert im Artikel ״Firstbom“ in Dictionary of Ethics ans Cook, Laws of Moses and Hamurabi; s. auch חיקי המורסי, p. קס״ה § ,כ״ח, Berlin 192S. 2) Die Nichtgeltung der Ultimogenitur scheinen auch Sarahs Worte widerzuspiegeln: (Genes. 21,10) Sarah, auf Hagar und ihren Sohn eifersüchtig, sagt zu Abraham: בי לא יירש בן האמה הזאת עם בגי עם יצחק; wäre nun zu der Zeit die Ultimogenitur in Geltung gewesen, hätte doch Sarah für das Erbe ihres Isaak, des Letztgeborenen, keine Sorge zu haben brauchen. Allerdings wäre auch die Deutung möglich, dass Sarah auf jede Art Beteiligung Ismaels, wenn auch noch so gering, an der Erbschaft eifersüchtig war.