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Jeschurun · 1926-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1926) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 346 (sequence 14)
Language
German
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346 Die Bibel als Quelle usw. hier zeigt sich Gott als der überlegene, zwecksetzende, selbsttätige Schöpfer, der autonom Schicksale nach Recht und Gerechtigkeit verteilt. Als besonders lehrreich hierfür lässt sich vergleichsweise die bekannte klassische Deucalion- und Pyrrhasage heranziehen: Deucalion verdankt (nach Apoliodor und nach Ovid, Metamorphosen 13181) nach der grossen Sintflut seine Rettung nur der Eifersucht des Prometheus auf Zeus, der eigentlich das ganze Menschengeschlecht ausrotten wollte. Erst nach dem Bittflehen und den Opfern des Deucalion lässt sich Zeus später erweichen, und gibt ihm den Rat, Steine hinter sich zu werfen, aus denen Menschen beiderlei Geschlechts erstehen. Eine sittliche Motivierung für die Bevorzugung dieses einen Menschenpaares und den Untergang der anderen wird nirgends auch nur angestrebt. Es hängt dies mit der rein ästhetischen und moralfreien Weltauffassung der klassischen Antike zusammen. Die andern Flutsagen sind meist kindlich grob und stehen auf rein mythisch-naturalistischer Stufe. Die zum babylonischen Turmbau und der Sprachen- Verwirrung weiterhin von Frazer herangezogenen Parallelen sind zuweilen wirklich erstaunlich. So findet sich noch heute in Mexico bei den Cholulas ein gewaltiger Pyramidenbau (nahe bei Puebla), über zweihundert Fuss hoch, der nach der Ueberlieferung von den Erbauern bis zur Sonne oder zu dem Himmel geplant war, doch die Götter, empört über den Uebermut der Menschen, sandten Feuer herab und zerschmetterten die Bauleute, und der Turm blieb unvollendet. Noch heute gilt der Bau, dessen einzelne Gipfel mit Urwald und ewigem Schnee bedeckt sind, als Kultstätte eines Götzen. (Frazer, 1. c. p. 379 f.). Sogar Spuren von der Sage der Sprachenverwirrung finden sich Uebermass gehäuften Frevel (der Menschen) nicht länger mit ansehen kann. Und Noah wird mit den Seinen errettet, nicht durch die List eines ihm günstigen Gottes (wie in der babylonischen Ueberlieferung) sondern weil Gott ihn als den einzigen Frommen unter seinen Zeitgenossen erfunden hat.“ (Kautzsch) Ueber babylon. Sintflutsagen vgl. besonders: Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der Religionsgeschichte. Bd. I, p. 598 ff.

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