Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 345 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bibel als Quelle usw. 345 III. Einen breiten Raum nimmt im I. Bande vonFrazers Werk die Sintfluterzählung mit all ihren über die ganze Welt und über alle Völker verbreiteten Variationen zu dieser Erzählung ein. Natürlich bemüht sich Frazer, nachdem er die verschiedenen Sagen und Berichte dargelegt, die natürlichen genetischen Ursachen für die Entstehung dieser Fluterzählungen aufzuspüren. Als Entstehungsursachen werden genannt: Ueberschwemmungen des Euphrat (so in der babylonischen Ueberlieferung, Gilgamesch-Epos); ein Erdbeben und damit verbundenes Hervorbrechen unterirdischer Gewässer; sogar ein Taifun wird als Mitursache angegeben (Hypothese des Wiener Geologen Prof. Eduard Süss); Einflüsse von Sonnen- und Mondfinsternis (das Pech der Arche gleich Verfinsterung der Gestirne, stark expressionistisch!) — alles reichlich abenteuerlich—mythische Vorstellungen und Naturereignisse, die, das muss Frazer selbst gestehen (p. 342), keinerlei Basis in der Bibel haben und die in ihrer Einzelhaftigkeit zu einer natürlichen rationellen Erklärung für den biblischen Flutbericht kaum ausreichen und dem Ganzen kein neues Wesensmerkmal hinzufügen. Lehrreich sind für uns gläubige Leser der Bibel diese Parallelberichte andrer heidnischen Völker insofern doch, dass wir erstens aus der mehr oder minder entstellten Verbreitung dieser Berichte ausserbiblische Zeugnisse für die Historizität des Sintflutereignisses herleiten können, dass wir ferner den gewaltigen s i 11 - liehen Abstand beobachten zwischen den heidnischen Berichten und dem biblischen, der von jeder mythologischenZutat frei uns entgegentritt. Keine Auflehnung eines Gottes gegen den andern, keine Eifersucht der Götter untereinander dient als Haupt- oder Nebenmotiv * 1). Auch Gespenste oder dem racheheischenden Brudergeiste im biblischen Texte angedeutet. 1J ״Nicht Hass und Unüberlegtheit eines Gottes (Bel), der auch die andern Götter mit sich fortreisst, führt die Sintflut herbei, sondern der gerechte Beschluss des einen heiligen Gottes, der den bis zum