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Jeschurun · 1926-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1926) · p. Seite 344

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 344 (sequence 12)
Language
German
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344 Die Bibel als Quelle usw. handlung von Wild und Haustier von Haus aus begründet werden; beisst es doch im Bibeltext: ״Jedermann, der ein Wild fängt, ein Tier oder einen Vogel, der bedecke das vergossene Blut, es ist also ursprünglich eine Jagdvorschrift: später ist die Vorschrift auch auf jede Art Hausgeflügel ausgedehnt worden). Somit scheint das ganze Gesetz auf eine Veredlung des Menschengeschlechts abzuzielen, um den Sinn des Menschen gegen jede Art von Blutgenuss und Blutanblick zu schärfen. Doch mit irgend welchem Geisterglauben hat dieses alles, wenigstens in der biblischen Gestalt, nichts zu schaffen. Im Gegenteil, dies Gesetz des Blutzudeckens, ursprünglich, d. h. in vormosaischer Zeit vielleicht mit urmythischen heidnischen Vorstellungen von einer geheimnisvollen Kraft des Blutes zusammenhängend, kann als sprechender Beweis dafür dienen, wie die Heilige Schrift sich bemüht, Heidnisch-Primitives in die Sphäre des R e 1 i - g i ö s e n emporzuheben und mit sittlichem Gehalt zu erfüllen. Sollte es wirklich etwas mit irgend einer Sühne für vergossenes Tierblut zu tun haben (wie Frazer meint), dann wäre die Verschiedenheit der Behandlung des Blutes von Wild und Haustier unverständlich. Vielmehr sprechen alle Anzeichen dafür, dass das Ritual des Blutbedeckens als ein wichtiges Glied in dem Werk der Humanisierung und Heiligung des jüdischen Volkes anzusehen ist. So sehen wir an der Frazerischen Interpretation der Kainsgeschichte wieder, dass der Folklorist in seinem Bestreben, alles aus einem Punkte zu erklären, in seinem Eifer, überall Geister und Dämonen am Werke zu sehen, leicht in die Gefahr und den Fehler gerät, Motive durcheinanderzumischen, zu formulieren und zu uniformieren und Religionsformen einander gleichzustellen, die von Haus aus nichts miteinander zu tun haben1). x) ״Unstet und flüchtig“ soll Kain fortan wandern, so sagt die Bibel, denn ״die Beschäftigung mit dem Boden, welcher das Bruderblut getrunken, musste dem Bruder unmöglich werden.״ (PhilippsoD) Von Sünden und Gewissensschuld spricht Kain selbst: (Gen. 4,13) גדול עוני מנשוא., aus seinen Worten spricht die Qual der Seele und die Angst des Herzens; doch mit keiner Silbe ist eine rein äusserliche Furcht vor dem

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