Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 340 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Der Stern der Erlösung Auffassungen ausgebildet, während die östlichen Kulturen Chinas und Indiens es nur jedesmal zu einer halben Begriffserfassung, entweder der Verneinung des Nichts oder der Bejahung des Nichtnichts, gebracht haben. Beziehungslos stehen im gesamten Heidentum die Elemente zu einander, sich stets gleich bleibend, eine ״immerwährende Vor weit״ bildend. Gott ist Gott ohne alle Welt, er ist lebendig, aber nicht Gott der Lebendigen; die Welt ist fertig, gestaltet, aber ohne Aufgabe, ohne Ziel; der Mensch in stummem Trotz sein Selbst erfahrend, durchkämpfend und erliegend. Das ״All״ ist so in drei Stücke zerfallen, die nichts als tatsächlich sind, aber nicht wirkend, jedes in sich ein Geheimnis. Wir können hier nicht stehen bleiben. Die Dreiheit der Begriffe Gott, Welt, Mensch, reicht nicht aus. Sie lässt uns beim stummen, kalten Geheimnis stehen bleiben. Soll dieses offenbar werden, so müssen die Elemente aus ihrer Verschlossenheit, Insichgekehrtheit heraustreten zur Be- Ziehung, zur Wirkung auf einander; ein Kraftstrom muss von Element zu Element gehn, aus den Stücken eine ״Bahn״, aus der dunklen Vorwelt eine krafterfüllte helle; lichte ״allzeiterneuerte״ Welt werden. Um die Elemente aus ihrer heidnischen Todesstarre zu lösen, muss Gott aus seiner olympischen Selbstgenügsamkeit zum Schöpfer und Offenbarer sich enthüllen, muss die ״Welt״ statt fertiger Gestalt zur Kreatur und zur Stätte des sich vollendenden Gottesreiches werden; muss endlich der Mensch, aus dem Schlaf des Trotzes erweckt durch die Offenbarung, zum Werkzeug der Weltenzielerfüllung, der Erlösung emporsteigen. Da erst beginnt der Weltentag, das Werk des Anfangs. (Fortsetzung folgt.)