Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 338 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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338 Der Stern der Erlösung auf einander zurückgeführt werden. Nicht der Mensch, das Ich, erzeugt sich Welt und Gott, nicht Mensch und Gott verschmelzen in einander, wie im Christentum, nicht Welt und Gott sind eins, wie im Pantheismus. Auch den Menschen in die ״Welt“ aufgehen zu lassen, ist, wie schon gesagt, ein Unterfangen, das am ״Individuum״, an der Eigengesetzlichkeit des ״Ich״ zerschellt, ist eine Philosophie, die am ״Philosophen״ sich selbst negiert. Ehrfürchtig und bescheiden bleiben wir vor den drei Elementen, als uns auf gegebenen Problemen und Rätseln stehen und suchen ein Verfahren, bis zu ihrer Wesensbestimmung vorzudringen. Dieses Verfahren bietet dem Leser zunächst die grösste Schwierigkeit des Verständnisses. Es dürfte der schwerste Teil des ganzen Buches sein. Wir wollen daher etwas ausführlicher dabei verweilen. Wir treten voraussetzungslos an die Elemente heran, wir wissen zunächst von Gott, Welt und Mensch nichts. Aber dieses Nichts ist nicht ein absolut Negatives, es ist wie das Differential der höheren Mathematik ein Ursprung, der zur Integration, zum ״Etwas״ führt, ein Unendlich-kleines, das aber doch bestimmt genug ist, uns zu einem Positiven hinzuleiten. Das Nichts ist nur die Vorstufe, über die wir hinauskommen können, zum ״Nicht-Nichts״, zur Verneinung des Nichts. Jeder Begriff kann aber von zwei Teilen festgestellt werden: durch die Bejahung seiner Merkmale, oder durch die Verneinung alles ausser ihm liegenden, entweder in der Position seinerselbst oder in der Negation seines Nichtselbst. Rosenzweig sagt: im Ja seines Nichtnichts oder im Nein seines Nichts. Beim Begriff Gott ״umschreibt die Bejahung die Unendlichkeit alles dessen, was nicht Nichts ist. Es wird ein Unendliches bejaht, Gottes unendliches Wesen, seine unendliche Tatsächlichkeit, seine Physis“ (S. 16). Das Nein des Nichts in Gott ist aber seine Unabhängigkeit, seine Freiheit, seine Macht, schroff gesagt: seine unendliche Willkür. Sie hat ihre Grenze nur an dem Wesen Gottes selbst, an seiner inneren unendlichen Natur. ״Frei im Aether herrscht der Gott, seiner Brust gewalt’ge Lüste bändigt das Naturgebot das Gebot seiner eigenen Natur (S. 44).