Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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886 Der Stern der Erlösung Schöpfung und Offenbarung mit einander in Einklang zu bringen, denn wenn die Schöpfung, das blosse Sein, der Offenbarung, dem gottgewollten Sollen nicht mehr widerspricht, ist die Welt ans Ziel gelangt, ist erlöst. Das Schema dieser Begriffe stellt sich alsdann folgendermassen dar: Gott Offenbar. Schöpf. Welt Mensch Erlösung Etwas ganz Neuartiges liegt in diesem Ausgangspunkte des Rosenzweigschen Denkens. Er geht nicht deduktiv vor־ er untersucht nicht vorweg erkenntniskritisch die psychologischen Voraussetzungen unseres Denkens; er setzt nicht erst einmal alles in Zweifel, um aus dem Zusammenbruch unserer Welt ein Triimmerstück zu retten, oder einen Punkt zu isolieren als eine Insel im Ozean der Ungewissheit, von wo aus wir uns behutsam in die Wirklichkeit vorfühlen. Denn solch einseitiger Ausgangspunkt führt immer nur zu begrenzter Umsicht und Aussicht und daher zur falschen Beurteilung des Welt« ganzen. Bosenzweig will mit der Weltbetrachtung ein Verfahren einschlagen, ähnlich dem der modernen Naturwissenschaft, die, abrückend von allen scholastischen Spekulationen und Apriorikonstruktionen, wie Kirchhof in seiner berühmten Einleitung zur Mechanik es formuliert, lediglich ״die Natur auf die kürzeste Weise zu beschreiben״ sich zur Aufgabe macht. Für Bosenzweig ist die GrundfragestelluDg: welcher Elemente bedarf ich, um die Totalität des Seins vollständig zu beschreiben, um die Gesamtheit aller Erfahrung und alles Erlebens zu überblicken? Er antwortet: mit Hilfe des im ״Stern der Erlösung״ erscheinenden Begriffskomplexes. Wer daher, aus der alten philosophischen Literatur kommend, mit Bosenzweig beginnt, dem wird es zunächst unphilosophisch erscheinen, dass diese Elemente als gegeben ihm entgegentreten, die er schlechtweg hinnehmen muss. Rosenzweig drückte sich