Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Stern der Erlösung 335 Idealismus. Die Geschichte der Philosophie — man lese etwa Drews Geschichte der Philosophie im 19. Jahrhundert (3 Bände bei Göschen) und die trostlose Resignation, mit der sie schliesst — zeigt das erschütternde Phänomen, dass eine so gewaltige Konstruktion wie die von Kant ausgehende Lehre in demselben Augenblick wieder zusammenbricht, in dem sie als Höchstleistung menschlichen Denkens konzipiert und ausgebaut war. ״Die ganze ehrwürdige Gesellschaft von Jonica bis Jena0 war von dem kühnen ״Gedankenkletterer״ Nietzsche gewissermassen ad absurdum geführt; durch die Revolution ״eines Philosophen״ war das Reich der Philosophie, der Gedanke von der Allheit als einer Erzeugung der Vernunft, von der einheitlichen Begreiflichkeit des Alls, mit ihren Königen vom Thron gestürzt. ״Eine Einheit hatte gemeutert״, das Ich, das Individuelle wollte sich dem Allheitsgedanken nicht mehr fügen und sprengte die festen Bollwerke, die den Königsweg der Philosophie bisher gestützt hatten. Da stimmte etwas nicht, da musste in der Grundlegung, in der ersten Voraussetzung schon ein Fehler sein, der den stolzen Bau zum Wanken gebracht hatte. So verlässt Rosenzweig denn die alte Heerstrasse des Denkens, den Gedanken des ״Alls״, in welchem der Einzelmensch, das Besondere, Einzigartige, jeder Generalisation spottende Wesen der Menschenindividualität nicht zu seinem Rechte kommt. Statt des einheitlichen Alls muss eine Vielheit der Elemente zum Ausgangspunkt genommen werden. In einem Symbol bringt Rosenzweig seine Philosophie zur Veranschaulichung: im Mögen Dowid, dem Davidsstern. Die Eckpunkte dieses aus zwei ineinander greifenden Dreiecken gebildeten Sechseckes stellen zwei grundlegende Begriffstrigel und ihre gegenseitige Beziehung dar, die alles Seiende in ihren Bestandteilen und ihrer Verknüpfung charakterisieren; Gott — Welt — Mensch, als die drei alles umfassenden Elemente der Wirklichkeit; Schöpfung — Offenbarung — Erlösung als deren gegenseitige Verknüpfungen. Das Verhältnis von Gott und Welt ist: die Schöpfung, von Gott und Mensch: die Offenbarung, von Mensch und Welt: die Erlösung d. h. die Aufgabe, die