Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 329 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bücherbesprechungen 329 Setzung (nach. Franz Delitzsch’ ברית חדשה),^der Parallelen aus den rabbinischen Texten lassen das mit greifbarer Deutlichkeit hervortreten. Zwei kritische allgemeine Bemerkungen, die den Leser dieser Blätter besonders angehen: FiebigsSchrift trägt den Untertitel: ״zugleich ein Beitrag zum Streit um die Christusmythe “. Er will aus dem Umstand, dass die Sprüche der Evangelisten in Form und Inhalt so oft mit denen der rabbinischen Ueberlieferung übereinstimmen, auf die Zuverlässigkeit der Evangelisten schliessen. Das scheint mir abwegig. Die Frage nach der Geschichtlichkeit der Persönlichkeit des Religionsstifters mag hier ausser Acht bleiben. Hinsichtlich der Berichte der Evangelisten beweist jene Uebereinstimmung doch nur, dass sie mit jenen Ueberlieferungen vertraut waren, dass sie des rabbinischen Stils, derselben Gleichnisse, derselben Redeweise sich bedienen. Das bedurfte aber für den Verständigen nie eines Beweises, da sie doch eben Judenchristen waren. Ob aber das, was sie als Geschichte geben, nicht bloss das Resultat einer vor allem in Anlehnung an die alttestamentliche Ueberlieferung über den Messias sich kristallisierenden Legendenbildung war, ist daraus nicht zu entscheiden. Das hindert nicht, dass Drews (der Vertreter der ״Christusmythe“) sich in Benutzung der rabbinischen Ueberlieferung für seine These aus Unkenntnis dieser Literatur zumeist geirrt und Fiebig in diesen Nachweisen überall Recht hat. Zweitens: Wir mögen befangen sein, wenn wir dem christlichen Religionsstifter die Originalität gegenüber den religiös-ethischen Inhalten des biblisch-talmudischen Judentums absprechen. F. ist es aber nicht minder, wenn er auch dort, wo seine formgeschichtlichen Untersuchungen ihm die Anerkennung der Uebereinstimmung ab zwingen, diese Originalität um jeden Preis gewahrt sehen will. Wir können hier nur ein Beispiel bringen: Auf S. 3—6 behandelt Fieb. Matth. 5,23—24: ״Wenn du also deine (Opfer) Gabe hinbringst zu dem Opferaltar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort deine (Opfer) Gabe vor dem Opferaltar und geh zuerst hin, versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und bringe deine (Opfer) Gabe dar.“ - F. weist darauf hin, dass J. sich hier der Redeweise der juristisch religiösmoralischen Kasuistik bedient und bringt sehr gut als Beispiel: ההולך לשחוט אח פסחו ובזכר שיש לו ממון בתוך ביתו אם יבול לחזור ולבער ולחזור למצותו יחזור ויבער ואם לאו מבטלו בלבו (M. Pes. 111,7), er führt das sehr beweiskräftig auch an den einzelnen Redewendungen aus. F. fährt aber fort: ״Die Eigenart J. tritt hier nicht in der Form, sondern im Inhalt hervor. Man sieht seine Betonung des Moralischen vor dem Kultischen. Gelegentlich haben auch die Rabbinen Aehnliches. Aber in der Allgemeinheit wie hier bei Jesus wird sich bei ihnen nirgends ein ähnliches Wort finden.“ Hier haben wir nun die Abhängigkeit Fiebigs von allen christlichen Beurteilen! des rabbinischen Juden-