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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 323 (sequence 99)
Language
German
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Die Rougon-Macquart 828 Weil hier eben dieser Schrei nach Gerechtigkeit durch das ganze Buch tönt, weil Zola hier seine ganze Theorie von der Vererbung vergessen hat und er mit einer Kraft, von der nur die grössten Geister der Menschheit erfüllt waren, den Satten und Selbstgerechten ein Menetekel vor das Auge geführt, dessen Erfüllung wir erst jetzt in der Katastrophe des Bolschewismus in seinen leisen Anfängen nahen sehen und dessen Vollendung wir bei allen Versuchen der Selbstberuhigung voller Grauen ahnen. Auch unsere Kritiker sind Satte, die verzehrende Sorge einer Mutter um das tägliche Brot für ihre Kinder haben sie wohl nie nachempfunden. Da reden und schreiben sie immer von der Herrlichkeit des ״TOeuvre“, ich habe nirgends gelesen, dass ihnen die Tragik im Leben der Maheude aufgegangen. Was für eine Figur in ihrer Sorgfalt für den Mann und für die Kinder, in ihrer Geschicklichkeit aus nichts den Haushalt zu führen, ihn unter diesen Verhältnissen sauber zu halten! In ihrem Gerechtigkeitsgefühl auch den Besitzenden gegenüber, in ihrer schlichten Vernünftigkeit, die sie den sozialistischen Ideen Etiennes gegenüber widerstandsfähig erhält. Und wie wird ihr ganzes Seelenleben umgestellt durch das Leiden, da der Schrei nach Gerechtigkeit ungehört verhallt, wie wird sie da unter den Megären der Schlimmsten eine. Zu der geradezu apokalyptischen Schilderung des Zuges der verhungernden Weiber gegen die Bergwerke wüsste ich kein Seitenstück. Der Besuch der Maheude mit ihren Kindern bei den Gregoires, die letzte Hoffnung der verzweifelnden Familie und der Besuch der Bergwerksbesitzer unter Leitung der Frau Hennebeau, da die Verantwortlichen das saubere Zimmer, das ״Wunderhaus“ verlassen mit entzückter Miene ״ein Idyll, ein wahres Schlaraffenleben“ (11,3) — die Erdrosselung Cecile Gregoires, der jugendlichen Unschuld im Lager der Arbeitgeber durch den alten Bonnemort, der in seinem Leben all die Generationen repräsentiert, die ihre Gesundheit der Grube ‘zu Opfer gebracht und der so viele hat verunglücken sehen und sein Geschick und das seiner ganzen Familie willig erträgt, so gar nichts vom Revolutionär an sich hat und nun das Urteil an den Grögoires vollstrecken muss, deren grösstes Verbrechen eben diese holde Unschuld, das Nichtwissen von all dem Schrecklichen ist, von dem sie die Renten beziehen, die ihnen das Leben nichts־

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