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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 320 (sequence 96)
Language
German
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320 Die Rougon-]Macquart Unseres Erachtens wiederum nur die Folge seiner Besessenheit, so möchten wir es nennen, von dem Determinismus, Keiner seiner Menschen besitzt in Wahrheit ein Ich, das jemals den Versuch macht, gegen die Triebe anzukämpfen und sie zu überwinden. Darum sind auch seine edlen Gestalten wie Helene (״ein Blatt Liebe״) Pauline (״Lebensfreude״) Anguelique (״ein Traum“) so ungesund und darum unwahrscheinlich. Denn ihr Edelmut und Güte, das ist nirgends ein Erkämpftes, es ist immer nur eine völlige Hingabe an die natürliche Anlage und darum in seinem Zerfliessen und seiner Verschwommenheit krankhaft und unerfreulich. Dies Fehlen der Hemmungen vor allem in sexualibus ist besonders dort so abstossend und auch dichterisch unwahr, wo wir es mit gesunden und lebenstüchtigen Gestalten zu tun haben. Man lehnt sich im Innersten auf, wenn in ״Geld“ eine Frau Caroline völlig unmotiviert und im Gegensatz zu ihrem innersten Wesen der Unzucht ihren Tribut zollt. Und an diesem Urteil ändert nichts, dass hin und wieder eine Nebenfigur als Konzessionsschulze in ihrer Reinheit vorgeführt wird. Wobei zumeist, wie bei der Maheude im ״Germinal“ nicht vergessen wird hinzuzufügen, dass es nur an der Gelegenheit gefehlt hat. Nein, so ist es eben nur in Ausnahmefällen, dass der Mensch bis aufs äusserste und vor allem so einseitig determiniert ist, dass er überall und allzeit das Opfer seiner Triebe ist. ln Zolas Rougon-Macquart wird in Wahrheit der Determinismus ad absurdum geführt. Und das dritte: Zola ist nicht nur wissenschaftlich und speziell philosophisch einseitig und dilletantiseh eingestellt. Er hat auch kein inneres Verhältnis zur Religion. Nicht einmal das der Feindseligkeit. Der Hass ist oft verborgene Liebe. Er ist hier der Typ des platten Rationalisten. Der kirchlich-katholische Hintergrund, in der ״Sünde des Abbö Mouret“ und im ״Traum“ ist äusserlich anempfunden und die Kleinmalerei hier wahrscheinlich nur Ergebnis von Studien, die freilich später in ״Lourdes“ und in ״Rom“ überaus fruchtbar gemacht wurden. Ich lasse mir nicht einreden, dass der französische Bauer, so völlig irgend eines religiösen Empfindens bar ist, wie das in ״Mutter Erde“ geschildert wird. Und wenn freilich er hier sicher von den Bergbauern in Tirol sehr

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