Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 316 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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816 Die Roueron-Macquart des Natur- und Weltgeschehens ist und gerade nach Zola sein soll. Dass Zola nicht nach Nordaus ״Entartung״ als Pornograph zu werten ist und ebensowenig das harte Urteil auf ihn zutrifft, das man in der Zeit der erbittertsten Kämpfe um das nie erlebte Wagnis eines so krassen Naturalismus gegen ihn fällte1) darf jetzt wohl als allgemein zugestanden gelten. Durch eine Pedanterie glaubte er seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Theorieen es schuldig zu sein, das überall und immer mit den deutlichen Worten zu sagen, was in dieser Ausführlichkeit und dieser Kleinmalerei des Hässlichen, Abstossenden und Ekelerregenden seinen Platz eigentlich nur in ״Nana״ und höchstens noch im ״Totschläger“ so wichtig genommen werden durfte. Der erbitterte Kampf, den damals der Naturalismus Zolas auslöste; gehört schon der Geschichte an. Es ist aber gut, angesichts der Deutlichkeiten, die heute auf diesem Gebiete wieder beliebt werden und zwar von Nachfahren, die gegenüber diesem vielleicht grössten Epiker der neueren Zeit nur elende Stümper sind, wieder Stimmen aus dem anderen Lager zu erwecken. Wir wählen einen Kritiker, der nicht im Verdacht der Prüderie steht oder gar religiöser Voreingenommenheit, den Historiker des Atheismus, den Mann, der Voltaire noch übertrumpfend, über alle Religionen das Ecrasez l’infäme verhängte: Fritz Mauthner. In seinen heute wohl nur in den Bibliotheken zugänglichen ״Kritischen Aufsätzen“ 2) lässt er sich unter anderem also vernehmen: ״Die Familie Rougon- Macquart, deren histoire nationeile et sociale er zu erzählen versprochen hat, ist in diesen Kröten-Knäuel (in Pot-bouille) kaum wiederzufinden. Der Kommis, der aus Plassans nach Paris kommt, um allen Schürzen nachzujagen, und der sich seiner Verwandtschaft mit der ganzen Verbrechergesellschaft rühmen könnte, ist doch ein gar zu erbarmliehe Geselle als dass uns seine Geschichte im mindesten interessieren könnte. Und wie mit dieser Figur gehts mit den anderen. Zola schreibt die Geschichte eines Hauses und nicht die von Menschen. Alle zehn Parteien einer Pariser Dutzendkaserne werden uns vorgefährt; wir werden vom Verfasser durch alle Wohnräume geleitet, durch alle, vom Boden dureh die hintersten Gemächer 1) Vgl. die Zitate bei Maximilian Harden ״Zola“: die Zukunft, Band 41, S. 61 f. 2) ״Von Keller zu Zola“ 1887.