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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 315 (sequence 91)
Language
German
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Die Kougou-Macquart 315 deren sich Aristide Saccard schuldig gemacht, entsprossen, wird unter den Einflüssen von Paris schon als Kind zum Verbrecher. Und vor allem die beiden ehelichen Kinder Aristide Saccards Maxime und Clotilde sind die rechten Belege für den Einfluss des Milieus. Maxime, im Hause eines solchen Vaters erwachsen und einer solchen Stiefmutter, allen Versuchungen ausgesetzt, die der schnell erworbene Reichtum und die fieberhafte Genussucht unter den verrotteten Verhältnissen der Scheinblüte des Zweiten Kaiserreichs darboten, sinkt bis zum Inzest hinab und ist trotz aller Lebenskunst mit dreissig Jahren ein Lebegreis; Clotilde, in die physisch und psychisch gesunde Umgebung eines Dr. Pascal versetzt, wird durch das unbekannte Kind, das sie zur Welt bringen soll und das, — wiederum sehr eigenartig — aus dem trotz aller Verkommenheit doch so lebenskräftigen und z. T. so lebenstüchtigen Vertretern der fünf Generationen der Rougon-Macquart allein übrig bleibt oder wenigstens uns vorgeführt wird, die Trägerin einer hoffnungsreichen Zukunft. Bekanntlich hat Zola gegen den Vorwurf, einem radikalen Pessimismus zu huldigen — Karl Bleibtreu nennt ihn treffend einen Pessimystiker (״die Vertreter des Jahrhunderts״ II S. 84) — nicht nur durch die Tat in seinen ״Evangelien״ protestiert (״Fruchtbarkeit״ und ״Arbeit״ bedeuten freilich als Kunstwerke einen bösen Abstieg) sondern auch in verschiedenen Vorreden zu den Einzelerscheinungen der ״Rougon-Maeqart״ und vor allem in ״Dr. Pascals״ Reden. Nur dass sich Zola selbst ad absurdum geführt. Wenn aus einer so vielgestaltigen Entwickelung, die uns gezeigt wird, Krankheit, Laster und Verbrechen so scheusslich aufräumen, dass nach fünf Generationen die Hoffnung auf zwei Augen steht, die noch nicht einmal aufgeschlagen, dann kann wahrlich dies nicht der letzte Sinn des Lebens sein. Und damit ist zugleich auch der Stab gebrochen über jeden Versuch Zolas, die Stellung zu verteidigen, die er der libido in seinem Rougon- Macquart einräumt. Jene völlig u n beherrschte und u n gezügelte libido, die nur der Lust dient, ist ja, soweit es die Menschheit betrifft, am wenigsten dazu geeignet, das Leben zu erzeugen und za erhalten, dessen ununterbrochene Erneuerung der tiefste Sinn

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