Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 313 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Rougon-Macquart 313 kreisenden Blut ihrer wahnsinnigen Urahne ihren Grund haben. Der dritte Sohn der Ursula Franz Mouret vermählt sich mit seiner Cousine Martha Rougon und es ist wieder merkwürdig, dass aus einer solchen Verwandtenehe, zumal beide schwer belastet sind und wie uns in der ״Eroberung von Plassaus“ geschildert wird, aus ihrer Anlage heraus ein schlimmes Ende nehmen, eine Nachkommenschaft ersteht, wie der grosse Organisator des Warenhauses Octave Mouret im ״Paradies der Damen״ (seine hässliche Rolle als der vielbegehrte Liebhaber im ״am häuslichen Herd1״) ist ja eine mehr passive) und der Geistliche Serge Mouret, dessen Fall in der ״Sünde des Abbe Mouret“ nur die Unmöglichkeit des Cöiibats illustrieren kann, aber weder auf die physische noch psychische Gesundheit des Abbd irgend einen Schatten wirft. — Kehren wir zu den Rougon zurück, so haben wir jenen geriebenen von der Stammutter Adelaide in der Ehe erzeugten Pierre und seine nicht minder gerissene und von Geldgier wie niederer Ehrsucht erfüllte Gattin die Oelhändlertochter Felicite schon in dem ״Glück der Rougon“ kennen gelernt. Inwiefern jene von diesen ihren Kindern mitgegebene Erbschaft es erklärt, dass zwei Genies der Politik und der Geldwirtschaft unter ihnen erstehen, ist weniger verständlich. ״Seine Excellenz Eugen Rougon“ wird die rechte Hand Napoleons III, und so viel Wahrheit wir dem Satze Oxenstiernas zugestehen, es gehört doch mehr dazu, sich aus eigener Kraft in den Mittelpunkt eines Kaiserreiches zu stellen als nur die Gier, seine Machtgelüste zu befriedigen. Und das gleiche gilt von Aristide Saccard (eigentlich Rougon) dem grossen Grundstückspekulanten in ״Jagdbeute“ und Börsenpiraten in ״Geld“. Wir wissen auch hier nicht, wo in diesem Genussmenschen die Quellen fliessen für die ununterbrochen schöpferische Phantasie, die das ganze Wirtschaftsleben der Hauptstadt befruchtet 2). נ) So wird der Roman ״Pot-Bouille“ in der vorliegenden Ausgabe wiedergegeben. Sprachlich besser als die beliebte ״Sudelküche“, doch nicht so treüend wie das Original. ״Sudelküche“ das ist zugleich die Kloake der Hintertreppe und die grauenhafte Unsittlichkeit des Yorderhauses. ״Am häuslichen Herd“ gibt in seiner feinen Ironie nicht so sehr das vernichtende Urteil. 2) Ein Fehler, der übrigens apch bei Maupassants ״Bel Ami“, der an psychologischer Vertiefung der Züge des Helden die Darstellungen Zolascher