Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 312 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Die Rougon-Macquart Sylvere Mouret.) Antoine Macquart, ein träger und nichtsnutziger Säufer, hat so recht alle schlechte Eigenschaften seines Vaters geerbt und endet in hohem Alter vollgesogen wie ein Schwamm von Alkohol dadurch, dass sich der von ihm ausdunstende Alkohol an seiner Pfeife, während er schläft, entzündet. Dieser Tod ist übrigens ein medizinisches Wunder und hat immer schon den Spott der Kundigen geweckt. Merkwürdiger Weise hat gerade er brave Kinder, aber diese haben offenbar von ihrer Mutter Josephine, einer sehr einfachen aber pflichttreuen und unermüdlichen Arbeiterin, ihren Hauptanteil erhalten. Denn Lisa Macquart, der Inhaberin des grossen Fleischladens im ,,Bauch von Parisa, der unglücklichen Gervaise, der eigentlichen Heldin im ״Totschläger“ and Jean Macquart, der freilich mehr leidend oder als Zuschauer im Mittelpunkt der Romane ״Mutter Erde“ und ״der Zusammenbruch“ steht, ist nichts Schlechtes nachzusagen. Doch hat eben das in den Ahnen Adelaide und deren Sohn Antoine ruhende Gift nur ein Geschlecht übersprungen. Am furchtbarsten tobt es sich aus inden beiden unehelichen Kindern der Gervaise mit dem Gerber Lantier, dem durch eine unbegreifliche Anlage zum Lustmord getriebenen Lokomotivführer Jäques Lantier in der ״Bestie im Menschen“ und der Geissei von Paris, der Buhlerin ״Nana“. Auch Claude Lantier, der unbefriedigte Künstler der an seinem inneren Zwiespalt zu Grunde geht, zeigt in dem Roman ״Das Werk“ die Züge jenes unglücklichen Erbes und nur Etienne Lantier, um den sich die Handlung im ״Germinal“ gruppiert, ist als normal anzusprechen. (Die Eigentümlichkeit, dass ihn, wenn er auch nur ein wenig getrunken hat, der Jähzorn übermannt, hat mit der eigentlichen Handlung und dem ganzen Inhalt des Werkes gar keinen Zusammenhang). Ursula Macquart hat Mouret, einen braven Mann geheiratet und sie selbst trägt offenbar auch nur wenig an dem schlimmen Erbe ihrer Mutter. In Silvere Mouret, dem jungen socialistischen Idealisten und lyrisch gestimmten Liebenden (der so sympathischen Gestalt im ״Glück der Familie Rougon“) und in Helene Mouret, der für die Zola’sehe Realistik etwas sehr sentimal geratenen Heldin im ״Blatt der Liebe“, haben wir daher Menschen von gesundem Fühlen, Helenes Tochter Jeanne freilich stirbt an den immer sich wiederholenden Nervenkrisen, die in dem in ihr