Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 274 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Einige Hauptschwächen usw. gewiesen werden. In 104, 6f. lesen wir ja: ״Urflut! Wieein Gewand breitetest du sie hin, sodass sogar über den Bergen Gewässer standen. Infolge deines Scheltens flohen sie, infolge des Erschallens deines Donners flüchteten sie sich“. Was nun äussern darüber die Neueren? Nach Kittel ist in diesen Versen ״das Mythologische noch ein leise spürbarer Einschlag“. Bertholet wird durch ״Schelten“ an das ״Dräuen Marduks“ erinnert, und Budde ״spürt da noch ein Wetterleuchten der Weltschöpfungsmythen Babyloniens“. Endlich Gunkel sagt: ״Eine Spur des Alten ist es hier, dass noch von einem Losfahren des zornentbrannten Gottes gegen das wilde Gewässer gesprochen wird“. Da muss man aber doch fragen: Wie muss sich ein Dichter ausdrücken, um nicht mythologisch zu reden? Zu der Behauptung, dass in jenen Dichterzeilen an den Mythus der Babylonier vom Kampf des Gottes Marduk mit der als Göttin vorgestellten Urflut Trämatu gedacht sei, liegt keineswegs ein positiver Anhalt im Texte vor. Steht es denn überhaupt auch ausser allem Zweifel, ob das der Femininendung entbehrende hebräische Tehöm, oder das mit der Femiuinendung versehene Ti’ämatu der Babylonier die ursprünglichere Form dieses Ausdrucks bildet? Diese Frage, die von den Vertretern des neueren Dogmas von der weitreichenden Abhängigkeit der altisraelitischen Weltanschauung von der babylonischen gar nicht gestellt zu werden pflegt, ist mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit so zu beantworten. Der neutrale Begriff ״Urflut“ ist bei den Babyloniern, die auf ihrer religionsgeschichtlichen Stufe eine so grosse Zahl von weiblichen Göttergestalten sich geschaffen haben, personifiziert, und zwar als weiblicher Urdämon gedacht worden. Wird doch auch ausdrück־ lieh ihr Gemahl mit Namen (״Qingu“) genannt1). Sollte jene Frage aber wirklich die entgegengesetzte Antwort bekommen müssen, so könnte erstens die Konsequenz nicht genug bewundert werden, mit der die religiöse Erkenntnis Altisraels jede Vermischung!) Die keilschriftlichen Textstellen habe ich im Kommentar zur Genesis, 2/3. Aufl. (1925), 185 vorgeführt.