Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 270 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293046--08334-2301616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
270 Einige Hauptschwächen usw. Einige Hauptschwächen der neueren Psalmenerklärung. Beleuchtet von Geheimrat Ed. König, Bonn. Unsere Gegenwart fühlt sich hinsichtlich ihrer Auslegungspraxis gewiss mit Recht über manche frühere Periode erhaben; in der man nach vielen Gesichtspunkten, die im Worte Pardes zusammen gefasst wurden, auslegte und hauptsächlich wie viele Kirchenväter allegorisierte1). Indes ist es doch sehr die Frage, ob sie das Ideal der grammatisch-historischen oder, um mit Adalbert Merx zu sprechen, ,,sprachrichtig-geschichtlichen“ Auslegungsmethode wirklich ganz so treu pflegt, wie es wünschenswert ist. Materialien zur Beantwortung dieser Frage meine ich neuestens bei Untersuchungen über die Psalmen gefunden zu haben, und es sei mir gestattet, von meinen Beobachtungen hier einen Teil zu entfalten. I. Um zunächst wie ich denke natürlicherweise auf dem Gebiete des Formellen zu bleiben, so ist es mir aufgefallen, dass man vielfach eine Art der Psalmenübersetzung übt, die mit einem einzigen Ausdruck als Entzeitlichung bezeichnet werden muss. Ich gehe von 74, 9 a aus. Die Textworte אותותינו: לא־ראינו sind selbstverständlich mit ״die von uns erwarteten Zeichen haben wir nicht gesehen״ zu übersetzen. Aber in den Kommentaren, die jetzt auf der Höhe zu stehen meinen, lesen wir ״unsere Zeichen sehen wir nicht mehr“2). Damit hängt dann die Deutung ״Es scheint an Embleme des Jwekultus gedacht zn sein“ (Bertholet) zusammen. Welche unklar schwächliche Aus- *) Einzelnachweise gibt meine ״Hermeneutik des Alten Testaments mit besonderer Berücksichtigung der modernen Probleme“ (1916), 10ff. 20. 2) So bei Bertholet in Kautzschs Bibelwerk (1922), bei Duhm im Handkommentar zu den Psalmen (1922), bei Budde, Die schönsten Psalmen (1915) und bei Briggs im International Critical Coxnmentary (1907).