Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 269 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bibel als Quelle usw. 269 biblischen Ueberlieferungen und Darstellungen und der grob״ schlächtigen, phantasielosen und fast^ durchwegs ungereimten, ja albernen Darbietung der von Frazer aneinandergereihten Berichte abzusehen, da begreiflicherweise bei solchen Vergleichen der ethisch-ästhetische Wertmasstab keine entscheidende Stelle beanspruchen darf. Auf eines aber können wir zum Schluss dieses Ab- Schnittes vom Sündenfall hinzuweisen uns nicht versagen. Das erhabenste Moment in der biblischen Darstellung des Sündenfalls ist die V e r s u c h u n g des Menschen zur Sünde, zum Verbotenen: die von der ersten dunklen Erregung der Neugier bis zur brennenden Begierde des Weibes stufenweise gesteigerte Empfindung, das Mitverschulden des Mannes, das schliessliche Erliegen, das Erwachen der Gewissensstimme und damit ״der Beginn der sittlichen Funktion des Menschen״ (Kautzsch), der Versuch der ersten Menschen, die Schuld von sich abzuwälzen, kurz, der beherrschende Gedanke, dass ״der Anfang der Sünde mit dem Anfang der Geschichte zusammenfällt״ (Kautzsch) — von all diesem spüren wir in allen den von Frazer zitierten Parallelen auch nicht einen Hauch. Treffend bemerkt zum Berichte der Bibel Josef Wohlgemuth (Das jüd. Keligionsgesetz in jüdischer Beleuchtung, I, Berlin 1912, p. 72): ״Der Mensch ist unsterblich geschaffen. Bedingung für die Unsterblichkeit war die völlige Hingabe an Gott in dem Gehorsam gegen sein Gesetz. Mit der Uebertretung des einzigen ihm von Gott gegebenen Gebotes hatte er die Verbindung mit Gott gelöst und war dem Tode verfallen.“ (Fortsetzung folgt.)