Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 268 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Die Bibel als Quelle usw. ,wäre das Dritte nimmermehr״. Erst durch eine Art petitio principii, dadurch, dass er das zu Beweisende als gegeben, d. h. von ihm selbst hypostasiert, annimmt, gelingt es Frazer, aus dem einfachen Bibeltext das für seine Beweisführung Nötige herauszulesen. Wir wiederholen: Wir wollem keinem Gelehrten das Recht abstreiten, und auch wir wollen für uns dies Recht in Anspruch nehmen, unsre Bibel nach Ideen und Anschauungen und Lebensbräuchen zu durchforschen, die denen noch so primitiver Völker der Jetztzeit oder prähistorischer Zeit ähnlich oder geistesverwandt sind oder sein sollen. (Wir werden später noch Hinweise bringen, wo wir Frazer für manche Fingerzeige und Aufhellungen dankbar sein müssen.) Wir sollen uns aber bei solchen Betrachtungen nicht durch die Gleichartigkeit kleiner Einzelzüge und Nebenerscheinungen dazu verleiten lassen, (wie Frazer es in diesem Falle getan) Hauptwesenszüge und Leitmotive hineinzu dichten, um die völlige Deckung und Gleichartigkeit zweier himmelweit verschiedenen Kulturkreise und Anschauungen herzustellen und mit künstlichen Mitteln Parallelen zu schaffen zwischen dem erhabenen Berichte der Bibel und den bei hundert obskuren Kannibalenstämmen kursierenden stammelnden Ueberlieferungen über Sterblichkeit und Unsterblichkeit des Menschen. Frazer selbst sagt: ״To sum up, if we may judge from a comparison of the versions dispersed among many peoples, the true original story of the Fall of Man ran somewhat as follows“ (ibid. p. 5!). Dann lässt Frazer den von ihm selbst verfassten (oben gebrachten) angeblichen Originaltext folgen; er scheint also die Schwäche seiner Beweisführung selbst gefühlt zu haben. Wir haben gesehen, wieviel Freiheit und geschäftige Phantasie nötig waren, um diesen angeblichen Beleg aus der Bibel zustande zu bringen, wie er mehr eine ״Schöpfung״ Frazers als eine wirkliche Schöpfung der Bibel genannt werden muss. Wir haben uns absichtlich bemüht, von dem gewaltigen Unterschied an kulturell-ethischer und ästhetischer Feinheit der