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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 266

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 266 (sequence 42)
Language
German
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266 Die Bibel als Quelle usw. und will nicht das Geheimnis von der Erkenntnis des Guten und Bösen (das sie anscheinend schon kennt) für sich allein behalten, auch isst nicht die Schlange die Früchte des Baumes selbst und beraubt den Menschen seines Vorteils, sondern möchte im Gegenteil ihn zum Mitwisser des Geheimnisses und auch wissend machen. Wie immer man den biblischen Vorgang auffasst und nach einer Deutung sucht, die ersten Menschen als Urbilder der Tugend und naiv-sittlichen Lebenswandels, die durch die Schlange (das Prinzip des Bösen, נחש die Zaubernde, Sichwindende vgl. רחש Verschlagene), oder das Ganze als zartsinnige Er- Zahlung gefasst, uns zu belehren, wie sinnlichesBegehren und Schamgefühi in die Welt gekommen sind — eines jedenfalls scheint sicher: Um die Unsterblichkeit und um den Streit, wer sie besitzen soll, ob der Mensch oder das Tier, die Schlange,, und ob diese ausschliesslich oder noch ein Wesen, darum handelt es sich in der Bibel vorerst nicht. Erst in Kapitel III, V. 22 wird von Gott die Befürchtung ausgesprochen : Darauf sprach Gott der Herr: Fürwahr, der Mensch ist geworden wie unsereiner, indem er Gutes und Böses erkennt: Dass er nur nicht seine Hand ausstrecke und vom Baume des Lebens nehme und esse und ewig lebe.“ Hier also tritt erst die Befürchtung auf, der Mensch könnte, so wie er die Früchte der Erkenntnis sich geraubt, auch die Früchte des Lebensbaumes brechen und dann ewig leben, ein Zustand, der vielleicht im Gottesweltenplan als dem Menschen vorerst unzuträglich angegesehen wird. Was lehrt uns schon dieses Beispiel von der folkloristischen Deutungskunst Frazers? Es zeigt uns die Abwege und möglichen Gefahren der Folkloristik. Hier sehen wir, wie eine an sich menschlich schöne, innigzarte biblische Erzählung (auch Kautzsch bewundert die ״meisterhafte Psychologie״ der Dar- Stellung) zu Zwecken der Folkloristik umgebogen und vergröbert wird, nur damit daran die Gleichheit der Motive mit andern heidnischen Ueberlieferungen exemplifiziert werde. Man verstehe uns richtig: Wir verdenken keinem Gelehrten, im Namen der ״vorausetzungslosen Wissenschaft״ in allen biblischen Be-

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