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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 265 (sequence 41)
Language
German
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Die Bibel als Quelle ס sw. 265 Schlange nicht damals Gottes Botschaft gefälscht und die Urmutter betrogen, wären wir Menschen statt der Schlange unsterblich geworden und wir hätten alljährlich unsere Haut und Jugend erneuert. — So soll nach Frazer der wahre Bericht der Bibel ursprünglich gelautet haben, und dann steht auch alles in schönstem Einklang mit den oben genannten Berichten der primitiven Völker. — Liest man dieses von einem hochangesehenen Gelehrten mit viel Fleiss und Scharfsinn rekonstruierte Märchen, welches in der Bibel hätte stehen sollen, aber leider nicht steht, so hat ein Mensch mit gesunden Sinnen zunächst den Eindruck eines Phantasiegebildes, das nach dem bewährten Muster gewisser deutscher phantastischen Bibelkritiker (ä la Carus Sterne) gebaut ist: ״Was in den Quellen steht, wird ignoriert, was in ihnen nicht steht, wird konstruiert* (König im Jeschurun VII, 528). Was zu der angenommenen Hypothese nicht passt, wird einfach als Zusatz erklärt und eliminiert, und was wieder im überlieferten Texte nicht steht, aber zur Stütze der Hypothese nötig ist, das wird kurzer Hand neu hinzukonstruiert. Dann stimmt die Sache, und man kann wie bei gewissen geometrischen Figuren durch ״Aufeinanderlegen״ ihre Kongruenz beweisen. עיקר הפר מן הספר könnte man mit dem Talmud hier ausrufen! In der Bibel steht nichts von der Botschaft der Sterblichkeit oder Unsterblichkeit an den Menschen, nichts von der Verwendung der Schlange als Botin Gottes und erst recht nichts von der Rolle der Schlange als Melderin einer so fabelhaft dummen Gottesrede, die dem Menschen Einreden soll, der Todesbaum sei der Lebensbaum! (Alles kann man unsrer Heiligen Schrift insinuieren, aber einen Widersinn hat ihr bisher noch kein Kritiker untergeschoben!) In der Bibel ist lediglich ein Verbot ausgesprochen, von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen; das Verbot spricht Gott selbst aus, und auf die Uebertretung wird Todesstrafe ausgesprochen (cap. 2, 17). Die Schlange spielt eine ganz andere Rolle in der Bibel als Verführerin: Sie ist nicht auf den Vorzug des Menschen vor dem Tiere eifersüchtig

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