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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 264 (sequence 40)
Language
German
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264 Die Bibel als Quelle uaw. Die wichtigsten Urelemente der biblischen UeberlieferuDg: Baum, Schlange, Mann und Weib, Ueberredung, Verschuldung, fehlen im heidnischen Bericht. (Sie fehlen auch in den baby- Ionischen Ueberlieferungeu. Selbst Kautzsch in seiner Bibelausgabe muss gestehen: In der babylonischen Mythologie hat sich eine Parallele zu Genesis 3 noch nicht gefunden.) Auch ist in der Bibel von einer Sendung Gottes an Adam durch die Schlange keine Rede. Was tut der Folklorist, um den biblischen Bericht mit dem heidnischen in Einklang zu bringen? Flugs hat er sein bewährtes Rezept zur Hand: Und legt ihr nichts aus, so legt was unter, eine Konjektur muss helfen, und diese sieht so aus: Der biblische Redaktor hat nicht lückenlos berichtet, oder vielmehr der Bericht ist lückenhaft auf uns gekommen. Ursprünglich lautete nach Frazers Meinung der biblische Bericht etwa so: Der gütige Gott wollte dem Menschen die Unsterblichkeit schenken und hatte die Schlange mit folgender Botschaft an Adam beauftragt: Iss nicht Y0m Baume des Todes, iss nur von dem Baume des Lebens! Nun war aber die Schlange das klügste aller Tiere (die Schlange als klüg3tes aller Tiere angesehen, weil sie durch die alljährliehe Abwerfung ihrer Haut auch ihre Jugend erneuere). Daher bestellte sie die Botschaft Gottes an Eva absichtlich umgekehrt, und sagte: Esset nicht von dem Baume des Lebens, denn am Tage, wo ihr von ihm esset, sollt ihr sterben; sondern esset von dem Baume des Todes, dann werdet ihr bestimmt ewig leben! (״Thus saith God: Eat not of the Tree of Life, for in the day ye eat thereof, ye shall surely die; but eat of the Tree of Death, and live for everö. So bei Frazer, 1. e., I, p. 52). Die törichte Eva glaubt — merkwürdig genug — der absonderlichen Botschaft der Schlange, isst vom Todesbaume, um ewig zu leben (!), und verführt auch noch Adam zum Essen, während die kluge Schlange vom Lebensbaum isst und sich auf diese Weise die Unsterblichkeit, beziehungsweise ewige Jugend erwirbt, wie sie es ja alljährlich durch die Erneuerung ihrer Haut bis heute bekundet. Die armen Menschen aber sind seitdem sterblich. Hätte die

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