Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 263 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bibel als Quelle usw. 268 Der I. Band des Frazerscnen Werkes ist den frühesten Berichten der Bibel gewidmet: der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall, der Sintflut und dem Patriarchenzeitalter. Da wird jeder Bericht auf seine Gleichheiten und Aehnlichkeiten mit den Bräuchen, Erzählungen und Ueberlieferungen afrikanischer, amerikanischer, australischer, griechischklassischer und andrer Völkerschaften in Parallele gesetzt. Mongolen, Hottentotten, Buschmänner, Aschantis, Togobewohner, Bantuneger und noch unzählige Barbarenstämme müssen herhalten mit ihren meist reizlosen, vielfach recht ungereimten Märchen, um zu zeigen, wo wissende, sprechende, listige oder auch dumme Tiere auftreten, um als Boten Gottes zu dienen. Die Absicht dieses Gotte3 ist, durch dies Tier dem Menschen die ihm günstige Botschaft von der Unsterblichkeit zu überbringen. Das Tier bestellt aber infolge seiner Dummheit oder Bosheit die Botschaft falsch. Dieses soll eine Parallele sein zu dem biblischen Berichte von der Schlange, die gegen Gottes Absicht handelt und durch ihre listige Bede das erste Menschenpaar zum Ungehorsam gegen Gott verführt. In den Erzählungen der Wilden, die zitiert werden, treten als Boten auf Schildkröten, Hasen, Hunde, Eidechsen, Frösche, Schafe, Chamäleone u. a., um dem Menschen die Botschaft des Gottes zu überbringen. Wir bringen als Beispiel eine Erzählung genauer: Das Chamäleon soll dem Menschen von den Göttern die Botschaft bringen, dass er unsterblich sein werde. Die Eidechse soll als zweiter Bote aber berichten, dass er sterben werde (die Götter sind sich offenbar nicht einig); da aber die Eidechse schneller ist, bringt sie die Unheilsbotschaft von der Sterblichkeit dem Mensehen schneller; seitdem, so schliesst die Erzählung der Wilden, ist der Mensch sterblich. e Dies der naive Bericht bei den Wilden. Aehnlich ist der Tenor all der anderen Ueberlieferungen. Was ist nun hier Verwandtes zwischen der heidnischen und der biblischen Darstellung? Die Berichte sind so unähnlich wie nur möglich. Kein einziger origineller Zug ist identisch.