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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 262 (sequence 38)
Language
German
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262 Die Bibel als Quelle usw. diejenigen Momente von entscheidender Bedeutung sein, welche die vorgeschlagene Deutung entweder erzwingen oder verhindern (vgl. die treffenden Bemerkungen von Geheimrat König in dieser Zeitschrift, Band VIII, p. 365 f). Nebenmomente müssten bei der Beurteilung als irreführend ausscheiden und nicht, wie oft bei entdeckungsfreudigen Folkloristen; als hochbedeutsam und wesentlich mit in den Vordergrund gerückt werden. 3. Besondere Vorsicht ist bei D e d u k t i 0 n e n (Folgerungen) geboten, die aus gewissen Aehnlichkeiten der Sitten und Bräuche sofort auf eine Verwandtschaft der Kulturkreise und Anschauungen schliessen wollen und Zusammenhänge konstruieren selbst zwischen Volksstämmen, die kulturmässig und historisch sich niemals berührt und ganz verschiedenen Rassen und Typen angehören. Die allgemeinen Denkformen und psychischen Anlagen sind bei allen Völkern die gleichen. Ganz unstatthaft erscheint es daher, auf Grund solcher Deduktionen bei sonst gänzlich divergierenden Kulturkreisen und Entwicklungen eine gegenseitige Beeinflussung herzuleiten 1). Die Gefahr nicht exakter Schlussfolgerungen oder gar schnellfertigen Dilettantismus liegt auf diesem Gebiete nahe. Die Fülle der Einzelerscheinungen, die Mannigfaltigkeit der Einzelzüge und Ueberlieferungen, die Weite des Beobachtungsgebiets über alle Völker und Erdteile macht e3 dem Forscher schwer, hier sichere, evidente Resultate und Erkenntnisse zu erzielen; umso grösser die Gefahr von Fehlurteilen oder zu weitgehenden Hypothesen. Dieser Gefahr allzuweitgehender Schlüsse und leicht verallgemeinernder Gleichsetzungen scheint auch F r a z e r in seinem vorliegenden Werke nicht entgangen zu sein. Wir greifen zunächst zum Beweise ein Beispiel heraus: den Sündenfall (Genesis I, 3), wie er sich in Frazers Beleuchtung darstellt, und hoffen damit die ganze Methode des Werks zu charakterisieren. *) Vgl. die vorsichtigen Bemerkungen zum Schlüsse des Artikels ״Folklore״ in: The New International Encyclopaedia, New York 1905•

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