Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 261 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Bibel als Quelle usw. 261 nicht weil wir den Texten \der Heiligen Schrift mit andern Glaubensgrundsätzen gegenüberstehen, sondern weil wir es als Pflicht erachten, Unzulässiges und unzureichend Erwiesenes als solches z!1 kennzeichnen. Wir wollen ohne dogmatische Voraus- Setzung den Gedankengängen des Verfassers zu folgen versuchen und an der Hand markanter Beispiele aus dem Werke prüfen, ob und wie weit es dem Forscher gelungen ist, zur Rationalisierung biblischer Satzungen und zur Aufhellung ihrer Problematik Wesentliches zu sagen. Eines aber wollen wir gleich vorwegnehmen: Das positive Ergebnis ist verhältnismässig gering für den ungeheuren Aufwand an Kräften, an Gelehrsamkeit, büchermässigem und wichtigsichnehmendem Sammelschreibertum. Sehr viel interessantes Material, doch erkenntnismässig wenig Gesichertes und Zweifelsfrei Ueberzeugendes. Grundsätzlich möchten wir in Hinsicht auf folkloristische Forschungen bemerken: 1. Es scheint uns noch kein Fortschritt in der Aufklärung des Problems erzielt, wenn es dem Forscher nur gelingt, bei der Durchforschung nach Ur- Sprüngen und Gründen einer religiösen Satzung festzustellen, dass es zu dieser Satzung soundsoviele Analogien frappanter Art bei andern Völkern gibt, dies sind an sich noch keine Erkenntnisgründe; die inneren Gründe und psychologischen Voraus- Setzungen sind damit noch in keiner Weise erforscht. Wissenschaftlich kommt es darauf an, das Gesetzmässige, das Konstituierende zu ergründen. 2. Es ist für die Erforschung eines dem menschlichen Verstände rätselhaften Religionsbrauches wenig getan, wenn die Analogien und Aehnlichkeiten so vage, so fernliegende und ungefähre sind, dass sie nur ganz entfernt verwandte Anklänge und periphere Symptome bringen, die sich in wesenlosem Scheine verlieren, ohne irgend zwingende ZusammenhäDge zu Tage zu fördern. Bekanntlich ist in der Logik der Analogiebeweis der schwächste, und gerade mit diesem operiert die Folkloristik am häufigsten. Bei der Deutung oder Ergründung der Ursachen, die zu einer religiösen Satzung oder einem kultischen Volksbrauch geführt haben, dürften nur