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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 259 (sequence 35)
Language
German
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Die Bibel als Quelle usw. 259 Amerikas, Australiens, bei den Völkern mit infantilem Denken und wenig entwickelten Lebensformen heimisch sind, Völkern, bei denen die Ursprünglichkeit des Handelns und Denkens noch nicht durch die Tünche der Zivilisation und den Kulturfirnis verwischt ist. Jedes Volk, so lehrt diese Wissenschaft, ist das Produkt einer moralischen und intellektuellen Evolution, und kein Volk kann trotz der Höhe seiner Kultur seinen Urzustand in seinen Einrichtungen, Lebens־ und Kultformen verleugnen. Die Reste dieses Urzustandes aufzudecken und dadurch Kulturzusammenhänge aufzuspüren — dies ist der Hauptgegenstand der vergleichenden Folkloristik. Das Gebiet, wo sich solche rudimentäre Reste (survivals) ehemaligen urzuständlichen Denkens selbst bei den erleuchtetsten modernen Kulturvölkern am leichtesten aufspüren lassen, ist naturgemäss das Gebiet der Religion, in der das Metaphy- .sische und Irrationale die Hauptrolle spielt. Hier winkt reiche Ausbeute, da ältestes Kulturgut, traditionell Geheiligtes und von mystischer Scheu Umwittertes im Mittelpunkt jeder Religion steht. Es ist daher kein Wunder, dass auch die Religion Israels, im Mittelpunkt die Bibel, sehr bald zum Versuchsobjekt dieser neuesten Wissenschaft mit ihren Evolutionstheorien herhalten musste und dass unsere modernen Bibelforscher und Völker־ Psychologen auch an der jüdischen Religion ihre Hauptprinzipien des Animismus und Totemismus in breitester Form zu erproben versucht haben1). Die Religion der Juden und ihre Bibel weist soviel des RätselvoHen und bisher Unerforschten und von Urzeiten Stammenden auf Schritt und Tritt auf, dass es den kritischen Verstand reizen muss, hier durch folkloristische Vergleichung und Parallelisierung mit den Kultformen ältester Völker oder auf primitiver Kulturstufe stehender modernen 1) s. Wundt, Ethik (bes. über Entstehung von Religon und Kultur), Völkerpsychologie. Robertson Smith, The Old Testament in the Jewish Church, London 1892; Religion of the Semites. Y. G Frazer, Totemism and Exogamy; The Golden Bough.

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