Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 255 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Chajim Nachman Ipialik als Jade 255 Seine Verzweiflung ist mitunter so tief, dass kein Weg, auch der zionistische nicht, als ״der Weg ins Freie“ erscheint. Bialiks Wettern gegen die Assimilation findet manchmal Töne, die sich auch auf die Assimilation im nationalen Gewände beziehen können — und als er sich vom ״Mathmid“ verabschiedet, sagt er nicht etwa: ich habe mich anderswohin gerettet, sondern: ״Ich bin auf einem anderen Wege untergegangen.“ Seine Generation, die er, in den Gedicht an A c h a d H a a m, als führerloses Geschlecht zwischen den Zeiten schildert, als ein Gemisch von Anfang und Ende, Zerstörung und Aufbau, Jugend und Alter, ein alterndes Kind dem Greis, das zwischen den Gräbern der Väter aufwuchs und seinen Stern nicht zu nennen weiss — diese Generation hat im Grunde nur einen Wunsch und nur ein Gebet, das legitimste, das je von Biahks Lippen gekommen ist: das Gebet um den Unglücks- Propheten. Lieber soll der das Wort des Schreckens, ja des Todes und jedenfalls das der Zucht sprechen, ehe dieser Zustand ewigen Ueberganges bestehen bleibe. Die grossartige Tat Israels, diejenigen Männer, die in jedem anderen, in jedem normalen Volke, Verräter, Defaitisten gewesen wären, zn den eigentlichen Trägern der nationalen Geschichte — wenn auch nachträglich — zu erheben, wird hier von Bialik aufgenommen und fortgesetzt. Er sehnt sich nach der grossen Zuchttrute, Aussiebung und Reinigung, ohne die er an keinen neuen Anfang glauben kann. So wird ihm die Rebellion zur religiösen Pflicht, nicht etwa nur indirekt: Gott selber lässt er sprechen und aus seinem Munde den Zorn gegen Gott vernehmen. Nirgends vielleicht ist der viel missbrauchte Talmudsatz: ״Ein Jude, der sündigt, ist immer ein Jude“, mehr zu seinem Recht gekommen als in der Bialikschen Konzeption des Protestes als M i z w a. Wie also? Volkszorn und Volksliebe, Rebellion und Frömmigkeit, Zionshoffnung und völlige Verzweiflung — was aber bleibt zu tun? Bialik hat auch darauf geantwortet: es sei ״die Zeit des Sammelns“. Sein Programm, die