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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 250 (sequence 26)
Language
German
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250 Chajim Nachman Bialik als Jude Volkes selber und wiederholt in seinem Galuth des Ber u f e s dessen ganze Ausgestossenheit und Heimatferne. Bialik hat diese Verlorenheit im weiten, unendlichen Raum, wo sogar der Himmel ein fremdes Gesicht macht, ergreifend geschildert — er hat auf der anderen Seite die furchtbare Enge der Behausungen, die undurchdringliche Prosa dieses Lebens in furchtbaren Farben gemalt. Raum und Zeit werden hier zum Problem: dies ist vielleicht die höchste Potenz der Entwurzelung. Wie dem Dehmelchen Arbeiter ״nur Zeit“ fehlt, so fehlt dem Bialikschen Juden ״nur Ort“, ein Ruheplatz für sein Haupt und seine Seele. Und ״Zeit“ — hat er zuviel. Der soziale Rebell gegen einen ursprünglich religiös bedingten Tatbestand, als den wir Bialik erkannt haben, wird — natürlich unbewusst — metaphysische Kategorien von hohem Wert in der Form ihrer soziologischen Verwirklichung beklagen: so ist ihm aus der Zeitlosigkeit der Thora, die kein ״Früher“ und kein ״Später“ gelten lässt, eine schlechte Unendlichkeit geworden, ein zeitloses, geschichtloses, hoffnungsloses, eigentlich seinsloses Dauern (am Anfang des ״Mathmid“ z. B.), das seine Paradoxie (im Bezirk des Nicht-Ewigen) dadurch enthüllt, dass der Mensch in ihm altert, und sich so die erdgebundene, zeiteingetane Linie und die ewig-zeitlose Linie tragisch überschneiden. Manchmal drückt sich dieses gleiche Gefühl auch als Ekel an einer Welt endlosen Ueberganges aus, in der selber der Mond nicht in der eigenen Pflicht und Bestimmung lebt, sondern müde und gelangweilt dem Morgen entgegengähnt. Sterne, Träume, Menschen, Gebete blühen und welken — und die Gebete wiederholen sich immer wieder, ohne dass etwas sich ändert. Es ist letzten Endes die Klage über den Stillstand des Messianismus im empirischen Gesetzesleben, die hier durchbricht: aus der ewigen Hoffnung wurde das Einerlei der nie eintretenden Verwirklichung. All das sammelt sich manchmal zu ironischen Imperativen etwa solcher Affektstärke: ״Lasst uns faulen, bis wir stinken!״ Dies war der seelische Nährboden für Bialiks Zionismus. Die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk steht ja für den Ostjuden

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