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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 248 (sequence 24)
Language
German
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248 Chajim Nachman Bialik als Jude Vorgänger, selbst noch sein Lehrer Mendele und gerade er, haben dies kleinbürgerliche, ärmliche, in Sorgen, abergläubischer Frömmigkeit und Schmutz erstickte Leben mit irgend einem freundlichem Humor geschildert: Perez mit religiös-chassidischer Verklärung, Schalom Asch (der übrigens nicht ganz mitzählen kann) mit krassen Theatereffekten, dem Gegensatz zwischen Verderbnis und Tugend, sündiger Tboratreue und innerer Sittenlosigkeit, also tendenziös und ohne sittlich-ästhetische Gehaltenheit; Mendele wiederum sehr realistisch, aber mit jener Art von Güte, die man nur dem Unabänderlichen gegenüber aufbringt. Und sogar die Jüngeren sind darin älter als Bialik und gehören der Generation vor ihm an; Agnons Ghettoromantik und Tschernichowskys jüdische Idyllen bedeuten, in diesem Sinne, einen Rückfall. Es ist bezeichnend, dass Tschernichowsky, der als Erster in hebräischer Sprache zu den Göttern Griechenlands gebetet hat, einer also, der ganz von aussen kommt, innerhalb des jüdischen Bezirks zum Idylliker wird: er hat seine Revolution eben bereits draus sen erlebt. Bialik hat keine jüdischen Idyllen geschrieben; seine Empörung ergoss sich mit aller Kraft innerhalb des Judentums — in i h m wirkt ungebrochen und ungeteilt sein gesammelter Wille. Das Fruchtbare an Bialik ist gerade diese Einheit des seelischen Schauplatzes Judentum. Am charakteristischsten wird seine Sonderstellung unter fast allen jüdischen Schriftstellern bei der Behandlung des Sabbaths, der von Heine bis Mendele den ״Hund“ in einen ״Prinzen“ verwandelt. (In Mendeles ״Wunschring“*) ist sonderbarer Weise genau dasselbe Bild wie bei Heine, und zwar derartig ähnlich, dass man annehmen muss, er habe ״Prinzessin Sabbath“ nicht gekannt.) Bei Bialik bleibt der ״Hund“ auch am Sabbath ״Hund“. Nirgends hat die halachische Vorschrift: ״Feiere Deinen Sabbath in werktäglicher Armut — nur falle nicht Deinen Mitmenschen zur Last!“ eine so lebendige Gewalt erlangt, wie in Bialiks Gedicht ״Mein Lied“. Es brennen Sabbathkerzen — aber elende *) Jetzt in deutscher Uebersetzung (Salomo Birnbaum) zugänglich. Jüdischer Verlag 1925.

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