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Jeschurun · 1926-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1926) · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 247 (sequence 23)
Language
German
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Cbajim Nächman Bialik als Jude 247 hinausgetrieb en hat. Dies Problem, wichtiger als alle Literaturgeschichte, wichtig für unser Leben, ist unmöglich mit irgendwelchen biographischen Einzelheiten zu beantworten, die wir in diesem Zusammenhang nicht kennen uud nicht kennen wollen. Wir müssen nunmehr nach dem objektiven Charakter der Bialikschen Rebellion fragen, um seiner Lösung näher zu kommen. Wir haben Bialiks Aufstand gegen das Alte bisher nur in seinen Auswirkungen behandelt, noch nicht ihn selbst. Welches ist sein Gesicht? In einem Wort: Bialik ist kein religiöser Empörer, sondern ein sozialer. Gordons ״Häkchen des Jud“ wandte sich gegen die Halacha als solche — nichts ist für Bialik bezeichnender, als dass er gerade dies קוצו של יוד mehr als einmal in positiv wertendem Sinne zitiert, um die Treue und Verantwortung vor dem Worte zu rühmen. Nicht die Lehre, sondern die Lernenden, nicht die Idee, sondern die Empirie der Thora empören ihn. Dies ist in doppelter Beziehung bedeutsam: einmal macht gerade das Bialik zum Künstler, statt zum Leitartikler in Reimen. Es ist nicht die Tendenz an sich, die den Dichter von dem Manne unterscheidet, der ״auf der Zinne der Partei“ steht. Aber die Männer der Haskala rebellierten abstrakt, theoretisch, diskursiv; Bialik konkret, sinnfällig, im Grunde nicht einmal problematisch. Er sagt gar nichts gegen das Gebet — er zeigt nur, wie die Juden beten. Zweitens aber hat diese veränderte Einstellung einen systematischen Sinn: sie wird zum Vorläufer einer Generation, die zwischen der heutigen Verfassung der gesetzestreuen Massen und dem Geiste des jüdischen Religionsgesetzes als solchem zu unterscheiden verstehen wird. Freilich — Bialik selber hat noch zugleich mit den Gesetzestreuen die Gesetzestreue selber verworfen. Aber beides doch schon nicht mehr auf die gleiche Weise. Denn die jüdische Kleinstadt verlässt er im Hass und die ״Jeschiwah“ in wehmütiger Liebe. Die jüdische Kleinstadt — nirgends ist sie so realitätsgerecht, so unerbittlich geschildert worden wie in einigen Gedichten Bialiks. Auch dies ist eine Revolution: fast alle seine

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