Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Begriff der Frömmigkeit usw. 245 man möglicherweise — auch hier, wie ein Vergleich aller Stellen ergehen würde, zu Unrecht — in צדיק als der Bezeichnung für den ״Gerechten“ die Gefahr wittern könnte, dass sie zur Selbstgerechtigkeit verführt, so liegen die Synonyma, die wir behandelt haben und die, wie wir gesehen, recht eigentlich das charakterisieren, was der Talmud unter tiefer Frömmigkeit verstanden wissen will, den lautesten Protest ein gegen jene bekannte Degradierung der talmudischen Frommen. Zugleich haben unsere Ausführungen aber auch gezeigt, was von den Behauptungen nichtjüdischer Darsteller der talmudischen Frömmigkeit zu halten ist, wenn es etwa heisst: ״jene nervöse, gereizte, überanstrengte, auf der Seele des einzelnen schwer lastende Frömmigkeit“ *) etc. Nicht nur im צדיק, der schon in seinem Begriff das gerecht Abgegrenzte, in den gegebenen Schranken Verharrende zum Ausdruck bringt, auch in all den Aussprüchen von dem Gütigen, dem Bescheidenen, dem Zurückhaltenden חםיה עניו, צנוע ist keine Spur von Nervosität, Gereiztheit, Ueberspannnng zu entdecken. Jene Darsteller glauben diese dem pharisäischen Judentum nur deshalb immer vindicieren zu müssen, weil sie die Art der Frömmigkeit, die sie in der Literatur der Apokryphen und Pseudepigraphen entdecken, auch im Talmud wiederfinden wollen. Aber dieser ist und bleibt bei allen Berührungspunkten doch eine andere Welt. J. W. ג) W. Bousset *die Religion des Judentums im neutest. Zeitalter“, 2. Aufl., S. 116,215.