Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Vorfragen der Religionsphilosophie. biete der Biologie festlegen, schliessen damit, jedenfalls möglicherweise, Teile des Erforschbaren aus — denn die vitalistische Gesetzmässigkeit ist kein Verzicht auf wissenschaftliche Erkenntnis sondern nur auf liebgewordene Vorurteile — und sind Dogmatiker, selbst wenn die Beweise Drieschs für die Eigengesetzlichkeit des Organischen nicht so prägnant und überzeugend wären, wie sie uns erscheinen. Die Religionsphilosophie aber hat, ebenso wie die historisch-ethischen bzw. geisteswissenschaftlichen Gebiete ein starkes Fundament in einer vitalistischen Biologie, wie ich das schon vor geraumer Zeit ausgesprochen habe10) und nun auch beim Studium des grossen Historismus- Werkes von Troeltsch11) wiederfinde, und so soll sie bewusst anknüpfen an den Vitalismus. Er bietet ihr und ihnen einen durchaus passenden Uebergang zur Naturforschung dar. Aber damit muss dann gleichzeitig der unraumhafte Naturfaktor, die Ganzheit und dessen spezifische Kausalitätsform, die Ganzheitskausalität, anerkannt werden. Diese stellen nicht lediglich die notwendigen theoretischen Konstruktionen, die Hilfsbegriffe dar, deren der Vitalismus bedarf, um seine Ergebnisse den Anforderungen der Ordnungslehre entsprechend exakt zu formulieren, sondern bedeuten auch einen ,wesentlichen Zuwachs unserer Kategorientafel. Die Logik selbst ist auf diese Weise bereichert worden, mehr natürlich noch die Metaphysik. Diese entscheidenden logischen Formulierungen gestalten bei Driesch für seine Bestrebungen das. was Troeltsch ganz allgemein wünscht, um der exklusiv mechanischen Kausalität des Naturalismus zu entgehen. — Es versteht sich, dass der Religionsphilosoph für den Unterbau seines Systems, für seine Naturbetrachtung zweckmässig von diesen jungen Errungenschaften Gebrauch macht. 3. Wenn wir die gegenwärtige Lage in der Psychologie — und damit die Bedeutung eines anderen, sehr wichtigen Forschungsgebietes — für die Religionsphilosophie betrachten, so erkennen wir, dass sie sich nicht mehr in der Auffassung aller 10) Jeschurun IX, 71 ff. ״) Der Historismi: s und seine Probleme, J. C. B. Mohr, Tübingen 1922.