Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorfragen der Religionsphilosophie. 167 kategorialer Notwendigkeit dieser Standpunkt gewonnen sei. Nunmehr hat sich die Unhaltbarkeit dieser Behauptung immer deutlicher erwiesen. Unabhängig von einander und einer den anderen ergänzend, haben eine Reihe von Denkern und Forschern die Wege gewiesen, die in die Weite geistiger Universalität führen. An Dilthey, Troeltsch, Driesch, Spranger, um nur einige deutsche Forscher zu nennen, knüpft dieser Fortschritt an. Manches von dem, insbesondere die hier vorgetragene Folge der Gedanken, habe ich selbständig erfasst und dann u. a. bei Troeltsch wiedergefunden. 2. Die bedeutsamste Durchbrechung des dogmatischen Mechanismus führte die neue Begründung des Vitalismus auf wissenschaftlicher Grundlage herbei. Deshalb stelle ich den Vitalismus voran, obgleich gerade in Sachen der Biologie noch sehr viele, die die Psychologie von der Naturwissenschaft ablösen, beim Mechanismus verharren. Ein Sieg des Vitalismus würde einen viel vollständigeren, tieferreichenden Einbruch in den Naturalismus des vergangenen Jahrhunderts darstellen als die Anerkennung der Psychologie als einer selbständigen Wissenschaft, die mechanistisch nicht aufzulösen ist. Aber so weit halten wir noch nicht. In diesen Blättern war schon oft vom Vitalismus die Rede9} und auch von dem Löwenanteil, der an seinem Ausbau dem grossen Biotheoretiker und Philosophen Hans Driesch zukommt, ungeachtet der Verdienste zahlreicher Mitkämpfer, unter denen Erich Becher (dieser ist Psycho vitalist) hervoriagt Es ist von Bedeutung, dass ihre Zahl im Wachsen begriffen ist. Driesch hat die berühmten drei Beweise noch als Biologe formuliert, die sich völlig frei von psychologischen Erwägungen halten. Eben deshalb würde die Anerkennung der Autonomie der Lebensvorgänge eine UeberWindung des Mechanismus schon auf dem rein biologischen Gebiet noch vor dem Betreten des Reiches der seelischen und geistigen Funktionen׳ bedeuten. Die Gegner dieser Lehre, die sich auf physikalisch-chemische Forschung im Ge- 9) In vielen Aufsätzen von mir, besonders Jeschurun VII, S. 480— 604.