Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorfragen der Religionsphilosophie. 161 liehe der religionsphilosophischen Aussagen mit Rücksicht auf Richtigkeit bzw. Wahrheit sondern die Sonderform religiösen Erlebens als Erleben in den Blickpunkt rückt. Das metaphysische Interesse ist dem phaenomenologischen gewichen. Trotz der Einbusse an Erkenntnisgehalt, die die Religiosphilosophie erlitten hat, ist doch ihre Aktualität und ihre Einzigartigkeit nicht vermindert, eher vermehrt worden. Die Eigengesetzlichkeit ihres Erlebnischarakters sichert ihr Daseinsrecht und ihre Spezifität mehr als ihre einstige Struktur, die ihre Abgrenzung von der Metaphysik zuweilen recht schwer gestaltete. Auch sei jedenfalls angedeutet, dass die phaenomenologische Sonderstellung der religiösen Phaenomene einmal eine metaphysische Ausdeutung ermöglichen wird, um dem Reichtum des Erlebens im Absoluten gerecht zu werden. Dass die Religionsphilosophie unter diesem Aspekt2) gleichsam zur Logik der Religion bzw. einer Religion (Ordnungslehre) wird, ganz ähnlich wie die Aesthetik zur Lehre von den Ordnungsformen der Kunst, sei nur im Vorübergehen angemerkt. Die Parallele hat noch eine weitergehende Geltung, indem Religions- Philosophen im allgemeinen ebenso wenig religiös schöpferische Persönlichkeiten sind wie die Aesthetiker geniale Künstler. Und wiederum ähneln die Wege der Religionsphilosophie denen der Aesthetik, weil beide zu metaphysischen Erwägungen und Aus- Wertungen ihrer Inhalte führen. II. Jeder Versuch, die jüdische Religionsphilosophie aus dem Stadium lediglich historischer Untersuchungen zu erlösen und ihr systematische Aufgaben zu stellen, muss mit Freude begrüsst werden. Mir liegt gewiss jede Geringschätzung geschichtswissenschaftlicher Arbeit fern, und am allerwenigsten verkenne ich die Bedeutung derartiger Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Philosophie. Saadjah Gaon, Jehudah Halevi, Maimonides, um nur drei ragende Männer .zu nennen, sind unsere 2) Diese Einschränkuog ist geboten, da weder historisch noch systematisch damit die Aufgabe der Religionsphilosophie erschöpft ist.