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Jeschurun · 1926-03-01 · Heft 3-4 (März 1926) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 3-4 (März 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 154 (sequence 46)
Language
German
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154 Chajim Nachman Bialik als Jude. Weise seinen inneren Kampf zwischen Liebe und Tradition vor uns durchficht. ״Ich liebte den Gott der Erde, den Gott der Berge und Täler, und den Gott des Himmels ehrfürchtete ich״ In dieser Formulierung steckt ein (etwa parsistischer) Dualismus, der dem reinen Monotheismus fremd ist und der die theologische Bedeutung auch wieder dieses Liebes־ Problems aufzeigt. Und ist der Gott der Liebe und der der Gerechtigkeit, der Schöpfer der Natur und der Gesetzgeber des Sittengesetzes Einer; hier aber teilt es sich, zwar psychologisch nur und nicht objektiv, aber auch das schon bedeutet Entfernung und Abfall. Bialik hat in diesem mystischen Midrasch ״Feuer־ rolle״ gleichsam seinen ״Faust״ geschrieben, wenn wir da־ runter dasjenige Werk eines Dichters verstehen wollen, in dem das jeweilige autobiographische Kernproblem zur reinsten Gestaltung kommt. Dem Jüngling begegnet ein frommer Einsiedler, der ihn in seiner Waldhöhe erzieht — aber während der Alte reiner Lippe das Morgengebet spricht, wälzt sich der Junge ver־ zehrten Leibe3 auf seinem Lager. Und im weiteren Verlauf geschieht ihm das gleiche, was man als das eigentliche Thema der jüdischen Gesamtgeschichte ansprechen kann: dauernder Wechsel von Treue und Abfall, und zwischen ihnen: die Umkehr. Dies ist wohl überhaupt der eigentliche Grund für Bialiks un־ geheurePopularität: seine allerpersönlichsten Gedichte haben zugleich die aller allgemeinste Geltung. Insofern ist er ein ״Held״, ein Einzelner, der zum Typ wird und in seiner Biographie das Schicksal einer ganzen Generation durchlebt. In ihm erkannten und erkennen sich Tausende wieder: nicht etwa nur ins Idealische gesteigert, sondern auch verbitterter in ihrem Zorn, ungehemmter und schmutziger in ihren Leiden־ schäften und freilich glorreicher schliesslich in ihrem Kampfe. Er steht für alle in der Mischung von ״Licht und Dunkel,״ ״am Scheidewege zwischen Fluch und Segen.״ Im Namen eines ganzen Geschlechts opfert er Locken und Pracht seiner Jugend auf Gottes Altar, stiehlt aber heimlich eine schon geweihte Locke wieder zurück und kommt schliesslich dazu, den ganzen Himmel

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